Ausstellungen: Nürnberg · von Cornelia Gockel · S. 366
Ausstellungen: Nürnberg , 2006

Cornelia Gockel

Das Große Rasenstück

»Zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum«
Nürnberg, 6.5. – 9.7.2006

Kunst im öffentlichen Raum hat schon für so manchen Ärger gesorgt, doch was sich jetzt in Nürnberg am Rande der Ausstellung „Das Große Rasenstück“ ereignete, ließ wieder unliebsame Erinnerungen an die Nazizeit wach werden. Von „einer Schande für die Stadt“ war da die Rede, und einige aufgebrachte Bürger wollten „das Machwerk abfackeln“ und die „Verantwortlichen ins Irrenhaus stecken“. Es dauerte nicht lange, bis dann der Begriff von der „entarteten Kunst“ wieder die Runde machte. Grund für die Erregung der Nürnberger Bürgerschaft war die Arbeit von Olaf Metzel „Auf Wiedersehen“, für die er den Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt, dem Wahrzeichen der Stadt, mit rund 1000 ausrangierten Sitzen aus dem Berliner Olympiastadion spiralförmig umkleiden wollte. Die Arbeit, die auf Gewalt im Stadion genauso anspielt, wie auf Tatlins Entwurf für das Monument der III. Internationale, ist Teil eines groß angelegten, vom DFB und anderen Sponsoren finanzierten Kunstprojekts im öffentlichen Raum zum Thema Fußball, das von Florian Waldvogel und Raimar Stange kuratiert wurde. Schon während des Aufbaus versammelte sich eine wütende Meute zu Mahnwachen am Bauzaun. Zuletzt eskalierte der Streit derart, dass die Baustelle unter Polizeischutz gestellt wurde. Dass die Arbeit zum Schluss doch noch fertig gestellt werden konnte, ist dem Engagement des Nürnberger Bürgermeisters Ulrich Maly und der Kulturreferentin Julia Lehner zu verdanken, die für Toleranz im Umgang mit der Kunst warben.

Einen bitteren Nachgeschmack hat die Geschichte bei den Beteiligten trotzdem hinterlassen. „Durch die Diskussion in den Medien ist die…

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