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Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte · S. 288 - 293
Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 1990

JÜRGEN RAAP ÜBER DIE »KOOPERATIONSGEMEINSCHAFT KUNSTFORUM«

Rund zwei Dutzend Kölner Künstler sind in die publizistische Offensive gegangen: mit Schlagzeilen wie „Gewonnen haben“, „Fest im Griff“ und „aus der Reihe“, „Bis 90 ausgebucht“ oder „Zehn vor 2000“ werben sie seit einem halben Jahr in dieser Zeitschrift für ihre Aktivitäten im Bereich der kunst-autonomen Scene. „Diese Headlines werden von allen demokratisch entschieden“, erklärt „Parzival“ Frank Poersch, „und der Preis für die Satz- und Inseratkosten wird von allen gemeinsam zu gleichen Teilen erbracht.“ So kann für 30 DM im Monat jedes Mitglied des Anzeigenkartells seinen Namen gedruckt sehen. Der „harte Kern“ besteht aus den Initiatoren zweier selbstorganisierter Kunsträume in der Domstadt, die sich ebenfalls durch einen monatlichen Obulus tragen: „Die heutige Form der künstlerischen Existenz ist der Dauerauftrag“, witzelt Fluxus-Altmeister Al Hansen, mit 62 Jahren der Senior der „Coop“.

Exakt 22 „Plätze“ umfaßt die Namensliste im Inserat, zwei dieser Plätze rotieren pro Anzeige zugunsten neuer Namen, und ein Platz ist doppelt belegt und per Schrägstrich markiert – vom Multimedia-Duo Axel Brand und Sabine Thom, die mit Performances und per Video das Thema „Liebe“ jenseits romantischer oder beziehungspsychologischer Klischees bearbeiten.

Der „lose Zusammenschluß von Leuten, die zusammen Kunst machen“ (Poersch) begnügt sich längst nicht mehr wie die Pioniere einer „freien scene“ mit den Nischen einer von der „offiziellen Kunst“ strikt abgekoppelten Subkultur, sondern benutzt ganz bewußt die gleichen Werbe- und Medienstrategien wie kommunale Presseämter oder Kommerz-Galeristen: „Solchen Strukturen im heutigen Kulturbetrieb kann man sich nicht einfach entziehen, wenn man nicht permanent übersehen werden will“, sagt der Performance-Künstler…

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