Titel: Kunst der Fiktion der Kunst · von Michael Fehr · S. 108
Titel: Kunst der Fiktion der Kunst , 2010

Michael Fehr

Das Museum als Ort der Beobachtung zweiter Ordnung

Einige Überlegungen zur Zukunft des Museums

In einem kürzlich veröffentlichten, allerdings vor nahezu fünf Jahren gehaltenen Vortrag vertrat Gottfried Korff die These: “Das Museum bebildert nicht; es ist Bild”.1 Korff pointierte damit seine Überlegung, dass das “Museum als Ort der Sammlung und Bewahrung anschaubarer Objektwelten”, also “durch seinen Authentizitätsbezug eine Institution der sinnlich-ästhetischen Wahrnehmung” sei, und dass “das originale Objekt die Inszenierung als erklärende Darstellung schon allein deshalb (erheische), weil es nicht nur Dokument (sei), sondern weil es über eine sinnliche Qualität, eben über die Anmutungsqualität (verfüge)”. 2 Scheint Korff daher die “Re-Dimensionierung” und “Kontextualisierung” von Dingen “mit Mitteln der bildhaften Inszenierung” angemessen und legitim, so wird, in Konsequenz dieser Überlegungen, der Historiker als Ausstellungsmacher zu einem Bildproduzenten – und setzt sich damit nolens volens der Kritik aus einem Bereich aus, den gerade Historiker traditionell gerne meiden, dem Bereich der Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte. Die folgende Argumentation will daher nicht nur die Chance nutzen, vor dem Hintergrund der Systemtheorie einige allgemeine Einsichten aus diesem Fach für den vor allem unter Historikern geführten Diskurs fruchtbar zu machen, sondern ist der Versuch, die mögliche Relevanz künstlerischen Arbeitens für diesen Diskurs am Beispiel der Werke eines Künstlers deutlich werden zu lassen.

I. Fiktion Authentizität

Ein zentraler Begriff in Gottfried Korffs Argumentation ist Authentizität, die seiner Auffassung nach nicht nur die Echtheit und Originalität von Überlieferungsresten meint, sondern darüber hinaus auch deren “besondere Form der Anmutung, die erregend, faszinierend und motivierend wirken kann”.3 Konsequenterweise rückt Korff daher den Begriff der…

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