Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 239
Gespräche mit Künstlern , 2008

Das Sterben als Kunstwerk?

Ein Gespräch mit Gregor Schneider von Heinz-Norbert Jocks

Es war nicht mein erstes Gespräch mit Gregor Schneider. Vor mehr als zwölf Monaten trafen wir uns bereits einmal in dem kleinen Café der Maison Rouge, einem Privatmuseum nahe der Bastille in Paris. Fast vier Stunden saßen wir uns damals über alles redend gegenüber. Er, immer wieder den Gang seiner Sätze anhaltend, als müsste er diese erst mühevoll in seinem Bewusstseinkammern vorbilden, um sie dann abzulesen, scheint alles, was er formuliert, genau abzuwägen. Das erfordert von dem Interviewer fast so viel Geduld wie bei Begegnungen mit dem Skandalschriftsteller Michel Houellebecq, der die Pausen so dehnt, dass sein Gegenüber erst ein Gefühl dafür entwickelt muss, wann die sich langsam, fast gebrechlich aus ihm herauslösenden Sätze komplett beieinander sind.

Wenn wir damals miteinander redeten, um die Stationen seiner künstlerischen Biographie Schritt für Schritt Revue passieren zu lassen, führt uns diesmal die Aktualität zusammen. In Rheydt suchen wir unter gelben Sonnenschirmen auf der Terrasse eines Straßencafés Schutz. Es ist heiß, und Schneider trotzdem gesprächig, obwohl er wegen zwei Ausstellungseröffnungen unter großem Zeitdruck steht. Hier, in dieser Provinzstadt, nicht weit entfernt von Joseph Goebbels Geburtshaus arbeitete er über mehrere Jahre in und an seinem „Haus u r“. Darin lebte er auch bis zur Kündigung seines Mietvertrags. Um sich nicht davon verabschieden zu müssen, schickte er das Innenhaus seines Außenhauses auf Reisen rund um die Welt. Seit seinem Auftritt in Venedig, wo Udo Kittelmnann…

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