Ausstellungen: Köln , 2008

Reinhard Ermen

David Shrigley. Monotypien

»Emblemata einer deformierten Gesellschaft«

Museum Ludwig, Köln 15.8. – 9.11.2008

Auf den ersten Blick ist vielleicht gar nicht so klar, dass das Drucke sind, so nassforsch kommen diese Blätter daher. Vorlaut und frech wurden sie auf das Blatt geworfen, mit genau der Respektlosigkeit, die man von David Shrigley (*1968) erwartet. Erst beim genaueren Hinsehen merken die gewissenhaften Betrachter, dass die Farben eine Spur zu blass geraten sind, dass sich gelegentlich ganz leichte Verwischungen eingeschlichen haben. Die Direktheit der Gesten scheint hinter einem diskreten Schleier zu liegen, die Lautstärke ist ein wenig gedrosselt. Es handelt sich um Monotypien; mit Ölfarbe wird die entsprechende Zeichnung auf eine Glasplatte gebracht und erlaubt dann nur einen einzigen Abzug. Dieses gleichsam luxuriöse grafische Verfahren, das den Druck nicht zur Vervielfältigung nutzt, sondern als Instrument einer vorsichtigen Distanzierung weiterdenkt, könnte hier auch Mittel einer bewusst gehandhabten Verzögerungstaktik sein. Denn Shrigley, dessen Zeichnungen die deutsche Kunstillustrierte „Art“ im Januar 2007 unter der Kategorie „Zwei-Minuten Bilder“ abhandelte, ist schnell, – sehr schnell!

Der Mann aus Glasgow visualisiert Geistesblitze, die den formalen Sicherheitscheck der Professionalität lustvoll umgehen. Seine disproportionierten Bilder, Bildchen und Geschichtchen, die man Comics oder Cartoons nicht nennen mag, feiern sozialdarwinistische Kreatürlichkeit in einer krassen Rinnsteinpoetik, als seien hier Punch and Judy unter ganz anderen Vorzeichen wieder auferstanden. Shrigleys aphoristische Minimalformen ernähren sich von Fundstücken, von Wortfetzen, Einkaufszetteln oder situativen Grotesken und raufen sich in absurden wie brutalen Egoismen aus Text und Bild zusammen; manchmal auch nur zu kleinen Wortdramen. Immer wieder werden Kopffüßler oder andere kleine…

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von Reinhard Ermen

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