Ausstellungen: München · von Martin Blättner · S. 349
Ausstellungen: München , 2003

MARTIN BLÄTTNER

Deborah Sengl – Ertarnungen

Galerie Karin Sachs, München, 10.11. – 14.12.2002

Der „Wolf im Schafspelz“ ist uns bislang aus der Welt der vergleichenden Sinnbilder vertraut. Das präparierte Schaf mit dem übergezogenen Wolfspelz kennen wir allerdings erst, seitdem Deborah Sengl Objekte und Zeichnungen erfindet, die den Täuschungs-Manövern des Lebens entlehnt sind. Auch die menschliche Hinterlist – so die Erkenntnis – hat aus dem Tierreich gelernt. Tarn-Maskierungen und Camouflage-Muster gehören zu den bizarren Natur-Erscheinungen, die gerade im militärischen Bereich fleißige Nachahmer gefunden haben. Auf den Kampfplätzen des rauen Daseins sind Schutz-Maßnahmen oft die letzte Hoffnung der Opfer, den Tätern zu entkommen: Besonders hilfreich ist die Anpassung bis zur Unkenntlichkeit oder die Vortäuschung falscher Tatsachen, um die Sinneswahrnehmung des Gegners in die Irre zu führen. Übrigens bedienen sich auch Räuber in der Tierwelt (wie z.B. die Ameisenspring-Spinne) der Maskerade. Durch das Nachahmen der Beutetiere gelingt den Aggressoren das Eindringen in das Territorium der Opfer, ohne bemerkt zu werden. Die Tarnkappe gehört längst zum unheimlichen Arsenal der Kriegslist und Bedrohung, der Macht- und Ohnmachtspiele auf diesem Planeten.

Auf dieses ebenso faszinierende, wie einschüchternde Spektakel von Tarnung und Täuschung hat sich die studierte Biologin und Künstlerin Deborah Sengl eingelassen, ohne allerdings die Kuriositäten der Natur sklavisch nachzuahmen. Die skurrilen Objekte stellen denn auch in der Regel eher „unechte“ Tarnungen der Natur, sozusagen Stilblüten dar. Eine Schlange, die sich mit dem Textil-Überhang einer Maus tarnt, gehört wohl ebenso in das Reich der Fabel wie der Barsch, der sich als Frosch maskiert und gar wie der Ohrwurm, der eine…

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von Martin Blättner

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