Titel: Tendenzen der Zwanziger Jahre · von Andreas Seltzer · S. 88
Titel: Tendenzen der Zwanziger Jahre , 1977

Andreas Seltzer

Der alte Bilderglanz

Die neue Wirklichkeit – Surrealismus und Sachlichkeit.

‚Der Künstler macht uns klar: Es kommt nicht darauf an, daß die Rechnungen in Wirtschaft, Städtebau, Verkehr und so weiter aufgehen, sondern daß hinter jeder Rechnung eine unauflösbare Größe – nämlich der Mensch – übrig bleiben muß.‘ Walter Scheel (Zitat aus der Rede des Bundespräsidenten zur Eröffnung der 25. Jahresausstellung des Dt. Künstlerbundes am 23.6.77 in Frankfurt/Main)

Was der amtierende Bundespräsident, selbst leidenschaftlicher Bildersammler und Kunstfreund, hier so treffend als eine der Wirkungen ‚des Künstlers‘ formulierte, war gleichfalls auch die täglich wiederkehrende freudige Erkenntnis der Organisatoren der 15. Europäischen Kunstausstellung:

Selten blieben derart viele Menschen hinter den ursprünglich gemachten Rechnungen, sowohl der offiziellen Veranstaltungen als auch der vielfältigen Rahmenprogramme zum Thema ‚Zwanziger Jahre‘, zurück und übrig. Als unauflösbare Größen standen sie oft in meterlangen Schlangen vor den verschiedenen Ausstellungsorten, um die dort versammelten Bilder und Objekte betrachten zu können. Einer der meistbesuchtesten Orte war die Orangerie im Schloß Charlottenburg, die den vielen, die die ‚Konfrontation von sachlich-realistischen und surrealistischen Bildern‘ erleben wollten, mit der Möglichkeit, anschließende Spaziergänge im Schloßgarten machen zu können, eine zusätzliche Attraktivität bot.

Der von einem Baldachin geschützte, eigens für diese Ausstellung gebaute gläserne Vorbau mit Kasse, Garderobe und Verkaufstischen, war meist überfüllt mit Kunst-Spaziergängern, die sich nicht selten in ähnlicher Stimmung befanden, wie Passanten vor oder nach dem Defilée eines Herrscherpaares. Und tatsächlich mag ihnen die Ausstellungsumgebung den Eindruck suggeriert haben, eher eine Kronjuwelenschau, als die Präsentation von 194 Gemälden zu betrachten. ‚Präsentation‘ ist jedoch im Zusammenhang zum Gesamtthema und…

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