Titel: Outside USA · S. 152 - 167
Titel: Outside USA , 1991

Der Bilderbuch-Indianer

KRAFT UND ELEND EINES MYTHOS

VON WERNER JEHLE

Indianer spielen, sich mit Federn schmücken, sich anmalen, sich verkleiden und Indianerbücher lesen, Indianerfilme sehen: das gehört in fast jede Kinderbiographie.

Indianerromantik, der Gedanke an Freiheit und Abenteuer im Wilden Westen läßt aber auch die Erwachsenen nicht los. Indianer spuken hinein in den Alltag der Industrie-Zivilisation als edle Vorbilder von spartanischer Lebenshaltung oder als rebellische Vorbilder der Kritik an der verwalteten Welt. Im Beitrag „Der Bilderbuch-Indianer. Kraft und Elend eines Mythos“ von Werner Jehle, welcher 1987 in der Galerie Littman in Basel und im Bündner Kunstmuseum in Chur eine gleichnamige Ausstellung betreut hat, geht es nicht um die Perspektive des Ethnologen, der ein Volk in seiner Umgebung aufsucht, sondern um die Darstellung der Rezeption einer Kultur durch eine andere, um die „Verarbeitung“ des nordamerikanischen Prärie-Indianers in unserer europäischen Zivilisation, um unsere Vorstellung vom „roten Mann“. Keinen anderen Typus des „Wilden“ hat die abendländische Kultur im gleichen Maße „beschlagnahmt“ wie den „Indianer“. Die federgeschmückten Reiter der Plains mit ihrem kriegerischen Ethos wurden im 19. Jahrhundert entdeckt, aus ihren Territorien verdrängt, ausgerottet und gleichzeitig in Bildern und Legenden verherrlicht. Noch während ihnen die Lebensgrundlagen entzogen wurden, rühmten Gedichte ihre Tapferkeit und ihren Stolz. Durch die populäre Literatur von James Fenimore Coopers „Lederstrumpf“ bis zum modernen Comic, im Filmgenre des Western und in anderen Bereichen der Massenkultur ist der Indianer zur romantischen Figur stilisiert worden. Zum Bild des abenteuerlichen und edlen Indianers haben aber auch Künstler beigetragen: Carl Bodmer, Frank Buchser und Rudolf Friedrich Kurz im 19….

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