Titel: Spanien im Aufbruch · S. 76
Titel: Spanien im Aufbruch , 1988

Der Fall „Spanische Kunst“

von Antonio Saura

Selten hat die spanische Kunst in der Vergangenheit neuartige Konzepte formuliert, deren Theorie bahnbrechend war oder die Geschichte sowie andere Bereiche prägte. Dennoch, wo sie verweilte, hat sie eine Sensualisierung und Dramatisierung bewirkt, und ihr sporadisches Aufflackern hatte belebende Folgen innerhalb und außerhalb der Ereignisse. Ihr Verfahren ist die Ansteckung und Mutation. Ausgelöst durch das plötzliche Auftauchen oder latente Vorhandensein ihres Substrats, gelingt ihr eine Steigerung in der Intensität wie der Anwendung einer besonderen und individualisierten Regelung ihrer expressiven Kodizes.

Da sie in der Vergangenheit ohnehin eine verspätete Widerspiegelung fremder Einflüsse gewesen ist, zeigte die spanische Kunst immer Schwierigkeiten beim Entwurf einheitlicher und in der Konzeption neuer Systeme, trotz eines eigenen Akzentes, der Intensität ihrer Schöpfungen und sogar der Überwindung von Vorbildern. Das atavistische Schicksal sollte ausgeklammert und eine Erklärung vielleicht in den Unzulänglichkeiten und Anomalien des kulturellen Substrats des Landes gesucht werden. Es scheint absurd, sich auf Koordinaten zu beziehen, die sich fatalerweise quer durch die Geschichte wiederholen. Unbestreitbar jedoch sind die revolutionierenden Konzepte stets von außen gekommen, und ohne ein solches Stimulans wäre das Aufkommen einer theoretischen Entwicklung im eigenen Terrain undenkbar gewesen. Außer den wenigen Beispielen von Weitsicht, immer mit einer Öffnung zum Ausland zusammenfallend und generell in Zusammenwirkung mit ihr, bleibt die Abfolge der Erscheinungsformen auf eine eigene Geschichtlichkeit hin ausgerichtet, die ohne die Anzeichen erneuernder Winde aus dem eigenen Land nur einen Wirbel von Gewissensqualen, von Schuldgefühlen oder ein graues Einerlei gemacht hätte.

Gegenüber solchen Schwierigkeiten haben sich die exemplarischen Äußerungen spanischer…

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