Titel: Malerei Folge II , 1995

Der Filter der Malerei

Oder »Kann ein Yves-Klein-Blau wirklich dazu ermuntern, seinen Alltag zu vergessen?«

Heinz-Norbert Jocks sprach mit Stephan Schmidt-Wulffen anlässlich der Ausstellung »Wunderbar« im Hamburger Kunstverein

Der Diskurs über Malerei der 90er Jahre zeichnet sich durch seine Uneinheitlichkeit aus. Wenn die Helden des Pluralismus auch stets behaupten, alles sei erwünscht, so steckt die Diskussion über Beurteilungskriterien noch in den Kinderschuhen. Stephan Schmidt-Wulffen hinterfragt die Tradition der Malerei, da er das Tafelbild als viel zu eng verwirft. Insofern impliziert seine Mitte September angesetzte Ausstellung „Wunderbar“ im Hamburger Kunstverein zu der Frage, was Malerei heute sei, den spielerischen Übergang zwischen den Gattungen der Bildenden Kunst.

*

H.-N. J.: Weshalb erscheint Ihnen eine Ausstellung über Malerei notwendig?

S. Sch.-W.: Ich habe über einige Jahre ohne Malerei gearbeitet. Es gibt also einen Grund, der gar keiner ist. Ich wollte in einer immer lebhafteren Diskussion in dieser Stadt darüber, warum dieses Haus keine Malerei zeigt, Position beziehen. Derzeit gibt es wieder eine Art Umschwung im Gegensatz zu den durch ein gesellschaftlich-politisches Interesse an Kunst geprägten Jahren, wodurch sich ganz spezifische Arbeitstechniken, ästhetische Praktiken entwickelt haben, um diesen Brückenschlag vom Museum in die öffentlichen Räume und wieder zurück zu bewirken. Sowohl das Museum als auch der öffentliche Raum waren damals auch Arbeitsinstrumente, mit denen sich das Phänomen der Autonomie umkreisen ließ. Das ist heute alles anders. Mich interessierte die Entwicklung von Arbeitstechniken.

Was meinen Sie damit?

Man schaut, wie Architekten im Unterschied zu Künstlern vorgehen, oder fragt sich, was das Produktionsfeld Film oder Mode bedeutet? Das geschieht nicht nur anhand der Produkte,…

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von Heinz-Norbert Jocks

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