Ausstellungen: Linz · von Paolo Bianchi · S. 366
Ausstellungen: Linz , 2002

PAOLO BIANCHI

Der globale Komplex und Christoph Büchel

O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz, 28.5. – 14.7.2002

9/11 steht für einen Kulturschock. Die Ruinen der Twin Towers wuchern nun als Symbolbilder in den Menschen und Seelen. Ein Glücksfall ist, dass das O.K Centrum für Gegenwartskunst Linz mit zwei unabhängig voneinander konzipierten, jedoch kongenial aufeinander abgestimmten Projekten das Spannungsfeld Utopie (Der globale Komplex) und Realität (Christoph Büchel) in unserer Lebenswelt nachspürt, die von diesem nachhaltig wirkenden Ereignis geprägt wird. O.K-Direktor Martin Sturm spricht zu Recht von einer Explosion an noch nie erlebten Assoziationen in Bezug auf die ortsspezifische Arbeit von Büchel und von einem Amalgam aus Ernst und Ironie in Bezug auf die Wahrnehmung eines globalen Denkens.

Wenn „Der globale Komplex“ (Kuratoren: Christa Schneebauer, Rainer Zendron) in einer Zeit gezeigt wird, in welcher das globalkulturelle Zusammenleben eine unumkehrbare Tatsache ist, so besticht denn auch die bei Deleuze/Guattari entlehnte These der Schau: gefordert sei nicht mehr Kommunikation, sondern schöpferische Kraft im Sinne von Widerstand gegenüber der Gegenwart. In welcher wohlgemerkt der Umgang mit Gästen und Immigranten härter geworden ist. Wenn der Schweizer Künstler Christoph Büchel (*1966) seine Installation „Shelter II“ als Raum und Zeit sprengendes Lebenskunstwerk inszeniert, so entspricht die reale Selbsterfahrung und realitätsnahe Atmosphäre dieser „lifescape“ den Schilderungen der für die Konzeption zuständigen Berner Kuratorin Beate Engel:

„Nach den romantischen Naturbetrachtungen zu Henry David Thoreaus selbstgebauter Blockhütte wandere ich durch eine Alphütte in Schieflage, die aussieht, als sei eine Naturkatastrophe über sie hinweg gebraust, krieche in einen dreckverkrusteten Hühnerstall hinein und rutsche dann durch den schmutzigen Deckel…

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