Ausstellungen: Linz , 2001

Stephan Maier

Der körpererfüllte Raum

fort und fort

O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz, 2.12.2000 – 4.3.2001

Die Kunst des 20. Jahrhunderts war seit ihren Anfängen nicht zuletzt ein permanenter Prozess wildwuchernder Entgrenzung und ausufernder Erweiterung: Im Inneren durch das Verschwimmen akademisch zementierter Gattungen, nach außen hin im Verschwinden markanter Demarkationslinien zwischen Kunst und Nicht-Kunst. Vorreiter für die Öffnung des hochherrschaftlichen Großbürgertrakts Bildende Kunst war „die“ bürgerliche Veranstaltung schlechthin, das Theater, das im gleichen Akt Einflüsse bild- und raumkünstlerischer Findungen adaptierte.

Inzwischen haben sich die Wogen der Empörung über minimalistische Inszenierungen am Rande des Unerkennbaren und mit Leichtigkeit die Grenzen des Erträglichen sprengende Exhibitionierungen gelegt. Die Gruppenausstellung „Der körpererfüllte Raum fort und fort“ im Linzer O.K Centrum für Gegenwartskunst zeigt ein mögliches Spektrum jüngerer Künstler und -gruppen, die sich in völliger Gelassenheit zwischen allen Stuhlreihen bewegen, und ortsbezogene Interventionen, die gekonnt zwischen Inszenierung und Installation oszillieren. Der Anspruch der Kuratoren, eine Ausstellung an der Schnittstelle von Theater und Kunst in Szene gesetzt zu haben, macht jedoch unvermittelt, an den Bühnengräben der eigenen Spielstätten Halt: Sowohl Elisabeth Schweeger, österreichische Biennale-Kommissarin vom Münchner Marstall, als auch O.K-Direktor Martin Sturm, schöpfen zur Gänze aus dem eigenen (Künstler-) Fundus; der „körpererfüllte Raum“ erschöpft sich im Gastspiel Marstall-erprobter Grenzgänger, ergänzt durch übliche Verdächtige aus der Linzer Szene.

In der Einzelkritik schneiden diejenigen Künstler am besten ab, die sich dem Konzept eines post-dramatischen Theaters unmerklich anschmiegen und sich (selbst-) bewusst weigern, Adalbert Stifters titelgebenden Text „Mein Leben“, der vom graduellen Verschwinden des Selbst im Raum handelt, buchstabengetreu nachzubilden. Gerade dann, wenn sie wie…

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von Stephan Maier

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