Ausstellungen: München · von Heinz Schütz · S. 331
Ausstellungen: München , 2005

Heinz Schütz

Der Ritt übers tosende Zeichenmeer

Andreas Hofers „Welt ohne Ende“

Lenbachhaus München, 29.1. – 1.5.2005

Wer im Internet surft, stößt über die Suchbegriffe „Surfen+Ursprung“ auf Einträge, die auf die religiösen Wurzeln des Wellenreitens verweisen: „Das „he´e nalu” war bereits vor 1500 ein Teil von Hawaiis religiöser Praxis.“ Als Funsportart ist das Surfen im 21. Jahrhundert längst profanisiert. Wenige Extremsurfer, von denen einige ihr Leben lang auf d i e „Todeswelle“ warten, verknüpfen das Wellenreiten mit kosmologisch-existenziellen Spekulationen.

Der in Berlin lebende Künstler Andreas Hofer wird gegenwärtig mit ausverkauften Galerieausstellungen und der ersten großen Museumsausstellung nicht nur von einer – der metaphorische Kalauer sei hier erlaubt – Erfolgswelle getragen; ehe er an der Münchner Akademie Kunst studierte, betätigte er sich in Kalifornien als Surfer und Skateboarder. Zwei in der Ausstellung im Lenbachhaus präsentierte Surfbretter können über die biographische Reminiszenz hinaus als paradigmatischer Schlüssel zu Hofers Arbeiten betrachtet werden.

Im Sinne der regressiven Tendenzen, die Helmut Draxler in seinem Katalogbeitrag diagnostiziert, bemalt Hofer die Surfbretter mit atavistisch anmutenden Zeichen. Im Katalog subsumiert er sie dem Kapitel „weird tiki“ und rückt sie damit in die Nähe von kultischen Objekten. – „Tiki“ werden u. a. die enigmatischen, monumentalen Steinköpfe der Osterinseln genannt. – Die „rituelle“ Brettbemalung evoziert ein Bedeutungsfeld, dessen heterogene Grammatik sich aus den verschiedensten Quellen speist. Eines der Bretter ist in Anspielung auf Hofers eigenes Sternzeichen „Sagittarius Rising“ betitelt. Dynamisch nach vorne weisende Dreiecke und Pfeile, stehen neben einem Totenkopf mit Feuerschweif und der Unterschrift „dead jesus“. Das Firmenlogo des Brettherstellers verwandelte Hofer in zwei Blitze,…

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