Monografie , 1974

Der Sammler GEORGE GOSTAKIS

Axel Hecht besuchte den größten sowjetischen Privatsammler in dessen Moskauer Wohnung.

Selbst Insidern geht sein Name nicht so geläufig über die Lippen, wie der eines Scull oder Ludwig, eines Panza oder Ströher: George Costakis hat nie Schlagzeilen gemacht. Kein unbekannter Künstler verdankt ihm Protektion, kein Museum ein spektakuläres Leihgaben-Paket. Dennoch zählt der 62jährige Grieche zu den bedeutendsten Sammlern der Gegenwart. Ihm ist es gelungen, die Bilder und Dokumente einer der wichtigsten Epochen in der Kunstgeschichte unseres Jahrhunderts vor dem Sperrmüll zu retten, auf den sie eine kleinbürgerliche Kulturdoktrin bereits gekarrt hatte. – Ohne Costakis wäre der russische Konstruktivismus eine Bewegung ohne Zeugnisse geworden.

Seine Wohnung am Vernadskogo-Prospekt wirkt auf westliche Besucher wie Moskaus geheimes Museum. An der Tür im neunten Stockwerk des schlanken Hochhauses steht noch nicht einmal ein Name. Schon im Flur ist kaum Platz für die Garderobe. Bild hängt an Bild. In den übrigen Zimmern ist es nicht anders. Von der Decke bis zum Fußboden drängen sich die Arbeiten von Malewitsch, Kandinsky, Tatlin, Rodschenko, Klutsis, El Lissitzky und der Popowa. Sogar den Vorbereiteten muß Costakis vor der Verwirrung retten. Der untersetzte Hausherr tut es selbstverständlich und souverän. Schließlich sind ihm derlei Situationen nicht neu.

Die älteste Arbeit erwarb er vor 27 Jahren: ‚Damals hat alles mit einem Zufall begonnen.‘ (Costakis). Nach dem Zweiten Weltkrieg bot ein Unbekannter ihm drei Bilder an, die er nicht verstand. Dennoch wirkten diese Beispiele des Konstruktivismus wie Signale auf Costakis. Er kaufte sie und hatte damit den Grundstock für seine spätere Sammlung gesetzt.

Freilich,…

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