Ausstellungen: München · S. 340
Ausstellungen: München , 1984

Der Traum des Orpheus

Mythologie in der italienischen Gegenwartskunst 1967 bis 1984. Eine Ausstellung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, konzipiert von Helmut Friedel, unterstützt von Philip Morris, 16. Mai bis 1. Juli 1984, und eine Installation im Kunstforum unter der Maximilianstraße ,,Alta tensione astronomicu – Astronomische Hochspannung“ von Elisco Mattiacci, 14. Mai bis 30. Juni.

Eliseo Mattiacci gehört nicht zu den italienischen Künstlern, die ihre Verwurzelung im Mythos der Mittelmeerländer suchen und in ihrer Kunst thematisieren. Gleichwohl gehört er zum Stamm der Arte-Povera wie Kounellis, Paolini, Pisani, Pisiolello und Parmiggiani, die in der großen Ausstellung vertreten sind. Mit kaputten Gipsgöttern hat er wenig im Sinn, eher schon mit technischem Gerät. Auch in seiner jetzigen Installation wird der „Himmel“ aus Hochspannungskabeln gebildet, die in Stückchen zerteilt über einem fast schwarzen Raum schweben, dessen Boden mit Graphitstaub eingefärbt und mit kleinen Bleikügelchen bedeckt ist. In der Mitte aber hebt sich eine Insel in Gold heraus wie ein von der Sonne beschienener Planet. Das Weiß des Bodens wirkt wie ein Lichtkranz, während die Aluminiumplatten im Zentrum an den Einschlag eines Meteoriten denken lassen.

War Orpheus der begnadete Sänger nicht in den dunklen Hades hinabgestiegen und hatte mit seinem alles betörenden Gesang Persephone so entzückt, daß sie ihm seine Eurydike wiedergegeben hätte, wenn er seine Sehnsucht bezwungen und sich nicht nach ihr umgedreht hätte? Hier im Untergrund fällt mir Orpheus wieder ein, der sich in das Dunkel gewagt hat, Licht gesehen hat, um dann aus seinen goldenen Träumen wieder in das Dunkel zurückzufallen. Darüber hinaus…

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