Titel: 53. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S.
Titel: 53. Biennale Venedig , 2009

53. BIENNALE VENEDIG: Länderpavillons

Deutschland: Liam Gillick

Kurator: Nicolaus Schafhausen / Ort: Giardini

Liam Gillick – „Wie würden Sie sich verhalten? Eine Küchenkatze spricht“

Dies ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal: Die Ausstellung im deutschen Pavillon präsentiert nicht einen (oder mehrere) deutsche Künstler, sondern wird von einem Briten bestritten. In selbstbewusster Kuratoren-Attitüde hat Nicolaus Schafhausen die ihm vom Auswärtigen Amt gewährte Freiheit bei der Künstlerauswahl genutzt und Liam Gillick als Künstler für den Deutschen Pavillon bestellt. Der hat sich die Sache nicht leicht gemacht und „über ein Jahr lang“ sein Projekt entwickelt. In stetem Dialog mit Nicolaus Schafhausen unternahm er Reisen und recherchierte was das Zeug hielt. Im Rahmen seiner kritischen Beschäftigung mit der NS-Architektur des Pavillons stieß Gillick zunächst auf Pläne des Documenta-Gründers Arnold Bode, der bereits in den 50er Jahren einen Umbau zu einer „Architektur der Bescheidenheit“ vorgeschlagen hatte. Liam Gillick hat diesen nie realisierten Entwurf Bodes als Modell umgesetzt (Aluminium eloxiert, 26 x 30 x 12 cm). Das Modell erscheint in einer limitierten Auflage von 25 Stück und ist zum Preis von € 5.000 erhältlich (Bestellung unter info@deutscher-pavillon.org).
Gillicks Auflagen-Objekt ist jedoch nur ein Zwischenergebnis seiner architekturhistorischen Recherchen auf dem Weg zur endgültigen Biennale-Arbeit. Nach der ausgiebigen Beschäftigung mit der Architektur des Pavillons landete der Brite schließlich bei Fragen, „die sich um Modelle sozialen Verhaltens und um die Entstehung und Problematik neuer Umgangsformen an ideologisch aufgeladenen Orten drehen“. Seine künstlerische Umsetzung findet dieser Fragenkomplex in einer Installation aus unbehandeltem Tannenholz, deren Proportionen nicht von ungefähr an Elemente von Einbauküchen erinnern. Gedacht als „Diagramm aus…

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