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Magazin: Symposien & Kongresse · von Maribel Königer · S. 419 - 419
Magazin: Symposien & Kongresse , 1994

Maribel Königer
»Die Autonomie eines Systems ist erreicht, wenn es auch über seine Negation verfügen kann«

Symposion des Salzburger Kunstvereins auf der Suche nach dem »Original«

Die Frage kann man stellen: Hat „das Original“ in der Kunst der Gegenwart ausgedient? Im Kunsthandel sicher noch nicht. Ob aber das Original als Terminus des kunsttheoretischen Diskurses heute noch tauge (und wenn ja, wie), wurde am 15. und 16. Oktober in Salzburg erörtert, wo im Kunstverein auf Anregung der beurlaubten

Direktorin Hildegund Amanshauser zwei Tage lang unter der Leitung ihrer Stellvertreterin Silvia Eiblmayr sowie des österreichischen Bundeskurators Robert Fleck Originelles zum Thema angemerkt wurde. Die meisten Teilnehmer begannen ihren Vortrag mit dem Versuch einer Begriffsbestimmung, was viel über die Notwendigkeit einer solchen Klärung sagt, aber trotzdem wenig Präzisierung für das Symposion brachte. Originalität und Authentizität, Innovation und Individualität, Unikat und Echtheit galten in der Diskussion sowohl als Facetten wie als Synonyme des Originals. Um ein wenig System in die Begriffsverwirrung zu bekommen, hatte man Niklas Luhmann (Bielefeld) eingeladen. Der schickte die Spezialisten für Gegenwartskunst auf einen Exkurs in die frühe Neuzeit, in der jener paradigmatische Wandel stattgefunden hatte, der Innovation an die Stelle von Wiederholung setzte. Bedeutete „origo“ im mittelalterlichen Feudalsystem noch die „Gegenwart des Vergangenen“, so hieß im 16. Jahrhundert Originalität plötzlich „ohne Präzedenzfall“. In den subversiven Sabotageakten der Moderne seit Marcel Duchamp sah Luhmann dagegen nur eine Bestätigung unter vielen für seine Theorie: „Die Autonomie eines Systems ist erreicht, wenn es auch über seine Negation verfügen kann.“ Die Unterscheidung Kunst/Nichtkunst in die Kunst selbst…


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von Maribel Königer

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