Titel: Ars Electronica · von Florian Rötzer · S. 92
Titel: Ars Electronica , 1990

Florian Rötzer

Die Digitalisierung der Erfahrung

Digitale Träume · Virtuelle Welten

Zum Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft

Linz, 8.-14. September 1990

Die diesjährige ars electronica hat sich mit dem Cyberspace oder der virtuellen Realität ein Thema gesetzt, das hochaktuell ist, auch wenn die technische Realisierung erst an ihrem Beginn steht. Die Reproduktion wirklicher Erfahrung, vielleicht weniger die der Erfahrung bestehender Wirklichkeit, ist ein Traum, der zumindest seit Platons Höhlengleichnis in negativer Weise das Bewußtsein fasziniert und nun immer näherzurücken scheint. Im Cyberspace ist prinzipiell alles mach- und erlebbar, auch das, was sich auf der wirklichen Welt mit unseren Sinnesorganen nicht erfahren läßt und was auf ihr physikalisch unmöglich ist: Die Parole „anything goes“ findet hier ihre technische Objektivation. Wie oft bei neuen Technologien sind die technischen oder künstlerischen Realisierungen noch nicht sehr interessant und ausgefeilt, aber sie erlauben, spekulativ das Mögliche auszudeuten. Daher war es wohl eine kluge Entscheidung, das Gebiet der virtuellen Realität, in dem ebenso viele Disziplinen zusammenwirken müssen, wie es Anwendungsmöglichkeiten gibt, erst einmal als Konferenz mit einigen wenigen Anschauungsbeispielen zu organisieren und dabei die Frage der Kunst zurückzustellen. Da können denn die Leute mit ihren wirklichen Armbewegungen virtuelle Trommeln schlagen oder in eine akustische bzw. visuelle virtuelle Welt eintauchen, die dreidimensional ist und sich entsprechend der normalen Wahrnehmung verändert, wenn man sich bewegt oder den Kopf dreht. Das ruft schon erst einmal einen leichten, aber kitzelnden Schwindel hervor, weil man sich hier erst neu orientieren muß.

Vom Gang in die Abstraktion läßt sich bei den neuen computergenerierten Welten nicht mehr sprechen,…

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