Titel: Kunst und Wissenschaft , 1986

Friedemann Malsch

Die Grosse Verführung:

Technologie und Kunst auf der Biennale Venedig

Videotext, Fernsehbilder mit langsamer Entwicklung, Laserdisc, Telekopierer, Computeranimation, Computersimulation und -modellierung, Telekongreß, Textaustausch, Telemetrie, »remote sensing«, kybernetische Skulpturen sowie Klang- und Video-Installationen – »Es handelt sich um essentiell interagierende Systeme, fähig zur »Interkommunikation«, zur Sendung auf der Basis der »offenen Sprache« der Digitalisierung. Sie sind die neuen Werkzeuge der Künstler dieser Ausstellung, aber gleichzeitig auch Ausdrucksmittel für neue Ideen und neue Sprechweisen«.

So beschreibt Roy Ascott den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Kunst in der von ihm verantwortlich betreuten Abteilung »Technologie und Informatik«. Aus dem zitierten Satz läßt sich gut das Legitimierungsproblem dieser Abteilung der offiziellen Biennale-Ausstellung herauslesen. Denn im Gegensatz zu Abteilungen wie der Biologie oder der Farbe ist der die beiden Themenbereiche verbindende Faktor nicht eine analoge oder komplementäre Methodik der jeweiligen Erkenntnisstrategien. Die zunächst unmittelbar einleuchtende Nähe von Kunst und Technologie erweist sich aus dem Blickwinkel der Kunst als problematisch, da in der Technologie mehrere Wissenschaften zusammenfallen, die zudem als Disziplinen keineswegs benachbart sind. Technologie selbst ist keine Erkenntnismethode, sie ist vielmehr die Materialisierung wissenschaftlicher Erkenntnis in den Bereichen der Physik, der Chemie, der Mathematik und der Ökonomie. Sobald die im Zeitalter der Elektronik dominierende Informatik hinzukommt, erweitert sich das Spektrum der Beteiligten beträchtlich: Linguistik, Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Soziologie reichen sich die Hände zu dieser neuen Disziplin. Diese, Produkt der Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen, beinhaltet sie selbst aber nur eingeschränkt, insofern sie sich nämlich an die formallogische Struktur ihrer Funktionsweise anbinden läßt. Für den Umgang mit ihr kann man umgekehrt…

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