Magazin: Bücher · von Peter Funken · S. 408
Magazin: Bücher , 2002

Die Ikone des Realen

Schon längst ist die Photographie kein neues Medium mehr, und dennoch ist sie mehr als 160 Jahre nach ihrer Erfindung im Sinne von subjektiver und künstlerischer Wirklichkeitsfindung und -beschreibung aktuell wie kaum eine andere ästhetische Ausdrucksform. Dies mag mit der breiten Akzeptanz zu tun haben, mit ihrer Allgegenwärtigkeit und Marktfähigkeit, wie sie uns heute begegnet. Die Tage des Photos auf der Basis von Silbersalz-Chemie scheinen aber gezählt, denn sehr vieles von dem, was heute im Bereich der Photographie geschieht, passiert außerhalb von Fotolabors, unter Einsatz von Rechnertechnik und Bildbearbeitungsprogrammen. Die Einführung der digitalen Medien haben auf die analoge Photographie eingewirkt und sie endgültig des naiven Anspruches enthoben, sie könne Realität objektiv wiedergeben.

In Ronald Bergs „Ikone des Realen“ stellt der Autor dem entsprechend nicht mehr die Frage, was Photographie denn sei, sondern untersucht, wie die Theorie der Photographie Fragen nach ihrer Bedeutung angesichts einer insgesamt neuen Medialität beantworten kann. Für seine Untersuchung zum historischen Wandel der Phototheorie führt Berg dabei drei bedeutende Kronzeugen aus dem 19. und 20. Jahrhunderten an: William Henry Fox Talbot, Walter Benjamin und Roland Barthes.

Bergs Buch ist keine Photogeschichte, sondern eine ideengeschichtliche Abhandlung, die die Wahrnehmung der Photographie in die philosophischen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen vergangener Epochen einbettet. Der Autor stellt dabei die grundlegende Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Welt im 19. Und 20. Jahrhundert – zentral gesteuert über das Medium Photographie. „Die Ikone des Realen“ handelt also von einem philosophischen und nicht allein von einem ästhetischen oder historischen Thema.

Talbot, Benjamin und Barthes…

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