Gespräche mit Kunstvermittlern , 2000

»Die Institutionen befinden sich im intellektuellen Hausarrest«

Marius Babias im Gespräch mit dem Kurator Florian Waldvogel

Die neunziger Jahre brachten einen Typus hervor, der als Abziehbild des Neoliberalismus im Kunstbetrieb galt: der Jungkurator. Der Kurator erschien als nomadisierender Dienstleister: viel reisen, karriereorientiert, Kontakte machen, Konzepte anbieten. Dieses Klischee bröckelt. Weil die Institutionen mit der Entwicklung der jungen Kunst nicht Schritt hielten, sprangen die Kuratoren als billige Arbeitskräfte in die Bresche. Sie erprobten vielfach Ausstellungsmöglichkeiten an der Peripherie und erweiterten so das Repertoire des Ausstellens. Freilich sind Kuratoren aber auch Agenten eines Neuen Subjektivismus, der die Kunstszene erfasst hat; sie tragen den allgemeinen gesellschaftlichen Trend zur Event- und Konsumkultur. „Klassische Ausstellungsmacher wie Walter Hopps oder Harald Szeemann haben vor Jahrzehnten auch nicht anders gearbeitet und recherchiert, wie seriöse Kollegen meiner Generation auch“, behauptet dagegen Florian Waldvogel.

Florian Waldvogel (30) war Assistent von Kasper König an der Städelschule in Frankfurt/M. und organisierte ein Reihe von dezentralen Ausstellungen u.a. mit Franz Ackermann, Thomas Bayrle, John Bock, Manfred Pernice, Tobias Rehberger und Silke Wagner. Derzeit arbeitet er als Projektkoordinator für die Expo-Ausstellung „In-Between-Architecture“ in Hannover, die von Kasper König und Wilfried Dickhoff kuratiert wird.

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Marius Babias: Die von ökonomischer Umverteilung, Flexibilisierung und sozialen Erosionen gekennzeichneten neunziger Jahre haben im Bereich der Kunst zwei neue Typen hervorgebracht, die sich gegenseitig legitimieren: den Popkünstler und den Kurator. Du hast an der Frankfurter Städelschule zuerst Kunst studiert, ehe du Kurator wurdest. Was schien dir so attraktiv an diesem Frontwechsel?

Florian Waldvogel: Mein Glaube, im Kunststudium zu einem erfolgreichen Künstler ausgebildet zu werden,…

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von Marius Babias

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