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Ausstellungen: München · S. 340 - 341
Ausstellungen: München , 1989

Hanne Weskott
Die Irritation

„Neue Fotokunst aus München“
Künstlerwerkstätten Lothringerstraße 13
15.12.1988-15.1.1989

Irritation, nicht Provokation ist die Absicht der in dieser Ausstellung versammelten Fotoarbeiten, heißt es im Pressetext – und weiter: Die Zeit, in der die Fotografie ihre Zugehörigkeit zur bildenden Kunst beweisen mußte, ist glücklicherweise vorbei. Schon deshalb ist es nicht mehr die vordringliche Aufgabe des Mediums, sich selbst zu reflektieren. Die neue Fotokunst aus München ist „bewußt kryptisch“, behauptet Justin Hoffmann, der die Ausstellung begleitende Theoretiker, und hat auch schon ein Schild für die neue Schublade bereit: Kryptonymie. Aber so geheimnisvolle Bezeichnungen haben der Kunst noch nie viel genutzt, und Menschen, die sich unter Fotografie als Kryptonymie etwas vorstellen können, sind wohl eher rar. Einleuchtender und klarer klingen da die einleitenden Sätze: „Wirklichkeit wird auf den Fotos dieser Gruppe Münchner Künstler nie unmittelbar abgebildet. Selbst, wenn sie Dokumentaraufnahmen benützen, dann nur aus konzeptuellem Kalkül. Fotografien sind hier lediglich Bestandteile einer autonomen Erzählstruktur.“ Das beschreibt ziemlich deutlich, worum es den meisten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler in ihrer Arbeit geht. Es ist das uralte Thema der Fotografie und damit eben doch Selbstreflexion des Mediums: Ist das Foto ein Dokument der Realität? Da ihm diese Eigenschaft von Anfang an zugeteilt wurde, haben die nachfolgenden Generationen diese Frage als eine Art unüberwindlicher Klippe akzeptiert und befinden sich immer mitten in der Diskussion. Entweder sie lehnen jegliche Abbildhaftigkeit des Mediums ab und zerstören in ihrer eigenen Arbeit bewußt jede derartige Illusion oder aber sie spielen mit der vermeintlichen Abbildhaftigkeit, indem sie das Abbild…


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