Ausstellungen: Wolfsburg , 2011

Ronald Berg

Die Kunst der Entschleunigung

»Bewegung und Ruhe in der Kunst

von Caspar David Friedrich bis Ai Weiwei «

Kunstmuseum Wolfsburg, 12.11.2011 – 9.4.2012

Markus Brüderlin wurde zum Pressetermin nicht müde zu betonen, wie sehr seine Ausstellung den Nerv der Zeit treffe. Denn die vielartigen aktuellen Krisen und Probleme weltweit seien „die Folge von einseitiger Beschleunigung“. Die Welt hat offenbar die in der modernen Kunst ablesbare Dialektik von Be- und Entschleunigung vergessen und zu sehr aufs Letztere gesetzt. Im Grunde geht es Brüderlin mit seiner Schau genau um diese beiden dialektisch aufeinander bezogenen Momente.

Brüderlin lässt seinen chronologischen Gang durch die Kunstgeschichte mit dem Dichter des „Verweile doch! Du bist so schön!“ beginnen und zeigt als eine Art Prolog das berühmte Goethe-Gemälde von Tischbein (als Kopie) neben einem Modell von James Watts Dampfmaschine aus dem Jahr 1776/77. Im gleichen Jahr lässt Goethe vor seinem Gartenhaus in Weimar den „Stein des guten Glücks“ aufstellen, eine Kugel auf einem Würfel. In der Ausstellung dient nun die Replik dieser Plastik als Mahnmal an das glückliche Leben, das die Moderne trotz beständiger Beschleunigung im Zeichen des Fortschritts offenbar doch nie einholen kann.

In den folgenden 15 Kapiteln der Ausstellung wird dem Hasten und Ruhen in rund 160 Arbeiten von 85 Künstlern nachgegangen. Gemäß der ausgemachten Dialektik stehen sich auch in der Kunstgeschichte die beiden widerstreitenden Momente von Be und Entschleunigung gegenüber. Es beginnt mit der Paarung Caspar David Friedrich versus William Turner. Unschwer wird man bei Friedrichs „Meeresufer im Mondschein“ von 1835/36 das Beruhigende und Bedächtige erkennen. Die dunkle…

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