Kunstforum-Gespräche · von Amine Haase · S. 448
Kunstforum-Gespräche , 2000

»Die Kunst handelt noch
immer vom Menschen«

AMINE HAASE IM GESPRÄCH MIT THIERRY DE DUVE

„Voici“ heißt eine Ausstellung, die vom 23. November 2000 bis zum 28. Januar 2001 im Palais des Beaux Arts in Brüssel zu sehen sein wird. Der belgische Kunsthistoriker und Kunsttheoretiker Thierry de Duve organisiert die Ausstellung, die rund 200 Werke versammelt und den Untertitel trägt „100 Jahre zeitgenössische Kunst“. De Duve lehrte mehrere Jahre Kunstgeschichte an der Universität von Ottawa/ Kanada, leitete Studienprojekte an der Ecole des Beaux Arts von Paris und veröffentlichte Bücher wie „Kant nach Duchamp“ und „Pikturaler Nominalismus – Marcel Duchamp – Die Malerei und die Moderne“. „Voici“ ist Teil des belgischen Projekts „Bruxelles 2000“.

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Amine Haase: Thierry de Duve, Sie haben die Ausstellung „Voici“ in Brüssel organisiert. Was bedeutet der Titel „Voici“, hier?

Thierry de Duve: Für mich deutet es auf Formen der Präsentation hin – das ist das Schaufenster eines Geschäfts, der Sockel unter einer Skulptur, das Deckchen auf dem Tisch unter einer Vase, der Rahmen um ein Bild, also all das, was da ist, um etwas anderes zu präsentieren.

Es hat also nichts mit Marcel Duchamps affirmativen „voici“ zu tun, mit dem er einen banalen Gegenstand zum Kunstwerk erklärte – indem er einen Flaschentrockner in eine Ausstellung brachte?

Die Fragen bei Duchamps ready-made haben viele Facetten: Ist der Flaschentrockner das Kunstwerk oder die Geste, mit der er ihn auf einen Sockel stellt oder ist es vielleicht der Sockel, der das Ding zum Kunstwerk macht, oder ist es der Raum, etc? Es gibt vielleicht eine Verbindung…

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