Essay , 2000

Marius Babias

Die Kunstbiennalen und die kulturelle Ökonomie des Globalismus

Zur Geschichte und Gegenwart der Kulturideologie

Vorbemerkung

Ich möchte jene im Globalisierungsprozess gut sichtbar gewordenen Konfliktlinien thematisieren, die unsere Seh- und Betrachtungsweisen so genannter „fremder Kulturen“ bestimmen: die vergangenen und gegenwärtigen Formen von Imperialismus, Rassismus und Nationalismus. Das ist naturgemäß ein solch‘ enzyklopädisches Unternehmen, dass ich mich dabei nur auf einige wenige geschichtliche und gegenwärtige Eckpunkte konzentrieren will.

Zunächst möchte ich jene drei Topoi benennen, die, darf man den Verfechtern des Neoliberalismus Glauben schenken, das ökonomischen und kulturelle Ungleichgewicht zwischen der so genannten Ersten und der so genannten Dritten Welt angeblich zum Verschwinden bringen werden, nämlich den Topos vom Aufschwung an den Weltbörsen; den Topos vom Weltmarkt ohne Grenzen; schließlich den Topos vom Kulturalismus.

Ich komme dann auf die unheilvolle Geschichte der Kulturideologie, auf ihre Bausteine Imperialismus, Rassismus und Nationalismus zu sprechen und werde versuchen darzulegen, wie in postkolonialen Diskursen für überwunden erklärte Konstruktionselemente des „Anderen“, des „Fremden“ in eine neue Ideologie des kulturellen Globalismus aufgehoben wurden, wo sie neue Formen einer Kulturideologie hervorbringen, zu deren symbolischen Beseitigung man paradoxerweise diverse Foren von Völkerverständigung und Kulturaustausch – u.a. Biennalen – eingerichtet hatte. Wenn man so will, sind Biennalen, die nicht zufällig parallel zum Fortschreiten des ökonomischen Globalismus in den letzten zehn Jahren einer starken weltweiten Resonanz sich erfreuen, genau die Instrumente, die ihn kulturell veredeln. Dazu dann einige Schlussbemerkungen.

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Seit der Moderne wissen wir, dass wir Kunst und Kultur nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Bedingungen betrachten können, unter denen sie sich artikuliert. Wir wissen aber auch, dass…

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von Marius Babias

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