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Magazin: Publikationen · von Martin Pesch · S. 485 - 485
Magazin: Publikationen , 1997

Die mechanische Braut

McLuhans erstes Buch auf Deutsch

Bücher, deren Titel – „Global Village“, „Die Gutenberg-Galaxis“ – zu Schlagworten geworden sind, werden selten gelesen. Und der Name ihres Autors, Marshall McLuhan, ist zwar in aller Munde, trotzdem erscheinen seine Schriften in Zeiten virtueller Realität und Internet irgendwie veraltet.

Um so besser ist es, daß der Verlag der Kunst nun das erste Buch des kanadischen, 1980 gestorbenen Wissenschaftlers auf Deutsch vorlegt. „Die mechanische Braut“ erschien im Original 1951 und war ein ziemlicher Flop. Während seiner akademischen Ausbildung zum Literaturwissenschaftler und am Beginn seiner Universitätskarriere kam McLuhan zu dem Schluß, daß an der Werbung und der mit ihr beabsichtigten Wirkung das eigentliche Drama der Menschheit zu beobachten ist. Die Lebenssituation des modernen Menschen (hier: des nordamerikanischen Menschen in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg) war geprägt von einer Einordnung in eine rationalisierte Ordnung, in der die Trennungen zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Stadt und Land, zwischen Mann und Frau, zwischen Körper und Geist, zwischen Verstand und Gefühl zementiert wurden. Die Abgründe in diesen Trennungen und der Wunsch, sie zu überwinden, wurden durch die Förderung des Konsums von Waren und Dienstleistungen gefüllt. Die Werbung, so McLuhans Beobachtung, manifestiert die genannten Auftrennungen und schiebt gleichzeitig ihre Überwindung auf – und zwar als eine Art „von kollektivem Traum“, wie er im Vorwort schreibt.

In seinem Buch geht es ihm nicht um eine bloße Anprangerung der „heimlichen Verführer“, sondern um die Bewußtmachung der Struktur, an der Produzenten wie Konsumenten beteiligt sind: „Warum nicht einfach die neue kommerzielle Erziehung dazu nutzen,…

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