Essay · S. 54
Essay , 1987

Florian Rötzer

Die Postmoderne – Auf der Suche nach sich Selbst

Verstörte Anmerkungen zu einigen Neuerscheinungen, die dem Gespenst der Mehrdeutigkeit im Zeichen des Pluralen ein Ende bereiten wollen.

Vor etwa 10 Jahren aufkommend, hat sich die Rede von der Postmoderne mittlerweile inflationär ausgebreitet. Manche, die mode-modernistisch immerzu auf der Überholspur sich aufhalten wollen, sind der Auseinandersetzung schon müde, die jetzt erst ihre akademische Reputation erreicht hat und in einer Flut von Texten und Kongressen das Phänomen gründlich auseinanderlegt. Die Debatte zwischen Modernen und Postmodernen mutet in großen Zügen sowieso wie ein Theaterstück an, dem die Partitur abhandengekommen ist. Die Schlacht, die von den Anhängern der verschiedenen Lager ständig inszeniert wird, scheint einzig den Zweck zu haben, das bereits lädierte Instrumentarium einer Gegenwartsdiagnose vollends stumpf werden zu lassen. Übrig bleiben erkennungsdienstliche Schablonen der Zuordnung, die suggerieren, man könne Positionen wie gehabt auf einer zeitlichen Achse auftragen. Fein säuberlich werden so Alt-, Neu- und Jungkonservative, Post-, Spät- oder Antimoderne, feuilletonistische oder veritable Postmoderne, Aufklärer und Gegenaufklärer, moderne Postmoderne oder postmoderne Moderne voneinander geschieden. Im Dschungel dieser vermeintlichen Klärungen verliert sich noch die letzte Übersichtlichkeit, wobei allerdings just das entsteht, was die Postmoderne auszeichnen soll: eine Pluralität von Meinungen, die unter keinen Hut zu bringen sind. Zu einem Zeichen geworden, das in der fortlaufenden Diskussion durch sich anhäufende Bedeutungsvermehrung alles und nichts bezeichnet, ist die Postmoderne und ihr Gegenbild, die Moderne, in eben jene »endlose Signifikantenkette« eingespannt, die sie vorgibt zu diagnostizieren. »Eine zentrale These postmodernen Denkens besagt«, so äußert sich diesbezüglich etwa Peter Bürger,…

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