Ausstellungen: Köln , 1982

Die Realität der Fotografie

Photokina-Bilderschau 1982

von Klaus Honnef

Was die documenta in Kassel für die zeitgenössische Kunst, sind die photokina-Bilderschauen samt flankierenden Ausstellungen in Köln für die Fotografie: das Ausstellungsereignis schlechthin.

Aber damit erschöpfen sich auch schon die Vergleichsmöglichkeiten. Während die documenta sich qua Tradition weitgehend auf die Neuigkeiten innerhalb der avancierten Kunstströmungen konzentriert, bisweilen auch regelrecht kapriziert, war es den Bilderschauen im Vorfeld der großen Industriemesse mit dem weltberühmten Namen seit ihrer Gründung stets um die Darstellung historischer Zusammenhänge zu tun.

Und noch etwas unterscheidet beide Veranstaltungen. War bislang noch jede documenta von mehr oder minder lauten Kommentaren empörter Zeitgenossen begleitet, denen zeitgenössische Kunst als jene Bilderschrift erscheint, die den Untergang des Abendlandes, wenn nicht der Welt ankündigt, vollzogen sich die Bilderschauen der photokina durch die Bank in sachlicher Atmosphäre. Wurde und wird das Kasseler Unternehmen in der Regel heftig und kontrovers diskutiert, erfreut sich die Kölner Veranstaltung in den Massenmedien, auf die sie sich ja direkt bezieht, kaum jener Aufmerksamkeit, die dort gewöhnlich einer durchschnittlichen Theateraufführung gewidmet wird.

Das muß umso mehr verwundern, als die Fotografie in jeder Beziehung über eine erheblich größere Reichweite verfügt als die Bildende Kunst und darüber hinaus auch noch über einen erheblich größeren Kreis von Ausübenden. Ist es doch die Fotografie, dank derer das Privileg der Künstler auf alleinige Urheberschaft von Bildern gebrochen wurde und die jedermann und jedefrau in den Stand gesetzt hat, selber Bilder herzustellen. Fehlt den Bilderschauen vielleicht nur die richtige Lobby in den Massenmedien, wiewohl sie das Massenmedium Fotografie repräsentiert? Symptomatisch in dieser Hinsicht…

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