Ausstellungen: Lüneburg · von Kathrin Luz · S. 233
Ausstellungen: Lüneburg , 2004

KATHRIN LUZ

Die Regierung

Die Universität ist eine Fabrik

Kunstraum der Universität Lüneburg, 30.1. – 12.2.2004

Vollkornbrot oben, Toast darunter und Knäcke daneben? Oder Knäcke nach oben und Toast daneben? Auch ein Brot- und Backwarenregal einzuräumen ist eine Kunst für sich – und eine Wissenschaft allemal. Der in Berlin lebende und arbeitende Filmemacher Harun Farocki präsentiert in seinem Film „Schöpfer der Einkaufswelten (2001)“ die „geheimen Herrscher des Supermarktes“: Marketing-Manager, erwachsene Männer und studierte Betriebswirte, die stundenlang mit dem Arrangement verschiedener Brotsorten in einem Brotregal experimentieren, um den maximalen Abverkaufsimpuls und damit die höchste „Drehzahl“ ihrer Produkte zu generieren. Erbarmungslos bis zur Absurdität herrscht offenbar auch hier die Logik der Logistik der Warenwirtschaftssysteme – und im Gespann mit ihr der unnachgiebige Versuch, den modernen Konsumenten in seiner Bedürfnislage genauestens zu analysieren, entsprechend zu stimulieren und damit zu „regieren“. Und wenn die Bedürfnisse nicht gegeben sind, dann wird der Bedarf eben geweckt.

Der Supermarkt als komplexe Ausstellung, die Shopping Mall als Soziotop, als gesellschaftliches Theater zwischen privatem und öffentlichem Raum? Jean-Luc Godards Filmsequenz aus „Tout va bien“ (1972) zeigt, wohin das führt: Den Automaten ähnlich packen die Supermarktbesucher ihre Einkaufswagen voll und entweichen wie ferngesteuert durch die schleusenartigen Kassengänge ins Leben (erst als die „neuen sozialen AkteurInnen“ mit der Plünderung des Supermarkt beginnen, löst sich die still-starre Ordnung im allgemeinen Chaos auf und entlarvt doch die „Täter“ als endgültige Opfer des Konsumterrors). Und Allan Sekulas titelgebende Fotosequenz „School is a Factory“ (1978/80) wiederum verweist darauf, woher dies kommt: Aus dem verhängnisvollen Konnex von Wissen und Macht. Auch…

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