Magazin: Messen & Märkte , 1996

JÜRGEN RAAP

Diktat des Kartellrechts

Schweres Geschütz hatte Rudolf Zwirner zwei Tage vor Messebeginn aufgefahren: Es müsse eine „Organisationsform gefunden werden, die es verhindert, daß jede Galerie ihre Teilnahme einklagen kann“, forderte er in einer Pressemitteilung. Anlaß war der nach fast zehn Jahren abgeschlossene Rechtsstreit mit der seinerzeit ausjurierten Galerie Redies, der die ART COLOGNE-Veranstalter insgesamt etwa 100.000 DM gekostet haben dürfte. Zwirner, einst Mitbegründer des weltweit ältesten Marktes für zeitgenössische Kunst, stieß sich auch an der Rekord-Teilnehmerzahl von diesmal 349 Galerien und verband sein Plädoyer für „einen kleineren, aber qualitätvollen Markt“ mit heftigen Attacken auf den Bundesverband Deutscher Galerien BVDG: „In jedem Fall kann der Kunstmarkt nur dann überleben, wenn er sich vom BVDG als alleinigem Träger dieser Veranstaltung trennt.“

Die Pressekonferenz verlief denn auch so lebhaft wie selten in den letzten Jahren. Lutz Teutloff (Köln) sekundierte Zwirner: „Es gibt eine unheilige Allianz zwischen Messe und Bundesverband. Wir Galeristen, die nicht im Verband sind, werden gar nicht gefragt, zum Beispiel über die verlängerte Dauer: Ich empfinde es jedenfalls als Zumutung, 10 Tage hier präsent sein zu müssen. Wir können unsere Galerien nicht so lange verlassen!“ Auch Annelie Juda (London) beschwerte sich über „zu viele Galerien“ und die zeitliche Kollision mit den Auktionsterminen: „Ich bitte die Messe dringend, sich das zu überlegen, weil sonst viele ausländische Galerien nicht mehr kommen.“

Mit 128 Teilnehmern aus dem Ausland (davon jeweils 18 aus der Schweiz und aus Italien, aber nur 4 aus den USA) konnte der Anspruch auf Internationalität freilich auch 1995 noch gewahrt werden, und die…

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