Titel: dOCUMENTA (13) · von Susanne Boecker · S. 170
Titel: dOCUMENTA (13) , 2012

Orangerie

documenta (13) – Ein Rundgang

Anri Sala

In der Sammlung des astrologisch-physikalischen Kabinetts in der Orangerie befindet sich das merkwürdige Bild „Gemäldeuhr“ (1825) von G. Ulbricht. Es zeigt eine idealisierte Landschaft in Zentralperspektive. Rechts im Bild ist das Eingangsportal einer großen Burg zu sehen. Auf der Fassade ist eine runde Uhr angebracht, die jedoch wie ein Fremdkörper wirkt. Tatsächlich handelt es sich um eine echte, in die Leinwand eingearbeitete mechanische Uhr, deren bewegliche Zeiger die richtige Zeit anzeigen. Weil der Maler ihr Ziffernblatt nicht übermalt und der Zentralperspektive seines Gemäldes angepasst hat, wirkt die Uhr wie ein Fremdkörper im Bild, der die optischen Regeln des Bildaufbaus durchbricht. Angeregt von diesem Gemälde hat Anri Sala in der Karlsaue ein mechanisches Gerät aufgestellt, das diesen Fehler korrigiert: diese „Uhr“ ist nicht rund, sondern hat die Form einer senkrechten Ellipse. In der Orangerie sind mehrere historische Ferngläser so ausgerichtet, dass man durch sie Salas hinten im Park stehende skulpturale „Korrektur“ anschauen und so direkt mit dem Gemälde abgleichen kann.

Konrad Zuse

Zu den Exponaten, die Carolyn Christov-Bakargiev als „Brain“ der dOCUMENTA (13) zusammengestellt hat, gehört auch das Funktionsmodell von Konrad Zuse für die Zuse 1, 1/5, 1936-1937. Das unscheinbare Kästchen ist ein Teil des Modells der ersten programmierbaren Rechenmaschine. Weil sie mechanisch funktionierte, war sie allerdings noch nicht funktionsfähig. Aber sie enthielt bereits das Prinzip, das ihr Erfinder Konrad Zuse (1910-1995) dann in der Z3 weiterentwickelte: den binären Umschaltmechanismus (das 0-1-Prinzip). Konrad Zuse war nicht nur der Erfinder des Computers, sondern auch ein passionierter Künstler. Er war…

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