Magazin · von Fabian Stech · S. 472
Magazin , 1999

Dominique Baqué, La photographie plasticienne

Un art paradoxe

Der Neologismus „Photographie plasticienne“ bezeichnet eine Form der Fotografie, die seit dreißig Jahren immer stärker das Kunstgeschehen mitbestimmt, die Fotografie als Kunst. Die Philosophin Dominique Baqué, die regelmäßig in der Fotokolumne der französischen Zeitschrift Artpress schreibt, versucht historisch, formal und theoretisch die Entwicklung der plastischen Fotografie, zu fixieren und sie von anderen Formen der Fotografie abzugrenzen. Sie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit und orientiert sich an den entscheidenden Ausstellungen und Künstlern. Den wichtigsten Einflüssen und Verwendungsweisen ist jeweils ein Kapitel gewidmet, dem ein Bildteil folgt, der die beschriebenen Entwicklungen ikonografisch untermauert, so dass man beim Betrachten der Fotografien die Argumentation nachvollziehen kann.

Dominique Baqué kümmert sich verständlicherweise nicht um den seit der Erfindung der Kalotypie durch Henry Fox Talbot währenden Streit, ob Fotografie Kunst sei oder nicht. Für sie geht plastische Fotografie historisch auf Kunstfotografie zurück. In der Landart, dem Wiener Aktionismus, dem Happening und der Performance wird Fotografie als Dokumentationsmittel eingesetzt, das dann zum integrativen Bestandteil des Ouvres wird. Diese Anwendung speist sich paradoxerweise noch aus dem Zeugnischarakter der Reportagefotografie und ihrer Theorie des „dezisiven Moments“, des entscheidenden Augenblicks, in dem ein Foto aufgenommen wird, die bis in die siebziger Jahre das Feld der Fotografie bestimmt hat. Als Spuren vergangener Kunstereignisse werden Fotografien nun signiert und verkauft. Damit einher geht die Entdeckung des Mediums Fotografie durch Künstler, die sich nicht mehr als Fotografen verstehen, sondern Fotografie als eigenständiges Gestaltungsmittel verwenden. Offizielle Anerkennung fand solch ein Anspruch z. B., als das Ehepaar Becher für…

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