Ausstellungen: Rotterdam , 2006

Kathrin Luz

Don Quijote

Witte de With, Rotterdam, 30.4. – 6.8.2006

Unaufhaltsam beschwingt drehen sich die großen Windmühlenräder und fegen den ritterlichen Angreifer fort, der sie in seiner manischen Verblendung für angreifende Riesen hält. Wer kennt ihn nicht: Don Quijote de la Mancha, den Ritter von der traurigen Gestalt. Ein literarischer Mythos, dem Romanwerk Manuel Cervantes entstiegen, einem Autor, selbst nicht weniger abenteuerlich veranlagt als sein Held. Und ein unvergesslicher Dauergast im kollektiven Bewusstsein der kultur-affinen westlichen Welt. Nicht nur den Worten entwachsen, auch in Bilder immer wieder neu auferstanden. Seine manieristisch überlange, dürre Gestalt mit dem spitzen Bart, seine bizarr-ausgezerrte Silhouette war seit jeher prädestiniert für das visuelle Porträt, wie es über Jahrzehnte hinweg die Größen der Moderne – von Dali bis Picasso – erprobten. Doch um diese reine „Abbildungsqualität“ geht es hier genau nicht.

Kaum jemand hat so erfolgreich seine Feindbilder selbst konstruiert wie der selbsternannte spanische Edelmann, kaum jemand hat sich gleichzeitig so erfolglos an diesen abgearbeitet. Mit ihm hat die Absurdität der menschlichen Existenz ihre Inkorporation gefunden. Don Quijote, Wandler zwischen den Welten des Idealismus und Pragmatismus – diesem spezifischen Erfahrungsmoment, diesem Phänomen ist die erste Ausstellung von Nicolaus Schafhausen im Rotterdamer Witte de With gewidmet, die er zusammen mit Sophie von Olfers kuratiert hat und in der 22 junge Künstler mit verschiedenen Arbeiten und unterschiedlichster Herkunft vereint sind.

Unser Held ist fünfzig, als er sich aufmacht, die kastilische Hochebene zu durchwandern, fasziniert von der Welt der Burgen und Ritter, um schließlich gegen „seine“ Windmühlen zu kämpfen. Der späte Paranoiker kämpft…

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