Ausstellungen: Mannheim , 1993

Sigrid Feeser

Edouard Manet

Die Hinrichtung Kaiser Maximilians von Mexiko durch Truppen des Präsidenten der mexikanischen Republik, Benito Juárez, am 19.Juni 1867 auf dem sogenannten „Hügel der Glocken“ nahe der Stadt Querétaro gehört in die Geschichte der großen politischen Skandale des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Drei Jahre zuvor hatte der österreichische Erzherzog Maximilian, ein jüngerer Bruder Kaiser Franz Josephs, mit der Billigung Wiens und dem Segen des Papstes seine kurze Herrschaft angetreten. Sie beruhte auf französischem Geld, einem französischen Expeditionskorps und einer krassen Fehleinschätzung der weltpolitischen Lage. Nach Ende des mexikanischen Bürgerkrieges erzwangen die Vereinigten Staaten gemäß ihrer Monroe-Doktrin den Rückzug Frankreichs. Napoleon III., der mit dem „mexikanischen Abenteuer“ die Erfüllung seiner imperialen (und finanziellen) Hoffnungen gescheitert sah, ließ die kaiserliche Marionette bedenkenlos fallen. Maximilian, der ohne Unterstützung ausharrte, wurde bald darauf gefangengenommen und nach kurzem Prozeß zum Tode verurteilt. Trotz zahlreicher Interventionen, unter anderem von Victor Hugo und Garibaldi, ließ Juárez das Urteil vollstrecken. Maximilian starb zusammen mit seinen Generälen Miramón und Meija. Er war 35 Jahre alt.

Die tragischen Ereignisse fanden in ganz Europa großen Widerhall. Eine Aura von Pathos und Ritterlichkeit umgab diesen Tod. Die noble Haltung des Verurteilten erregte den Respekt der Zeitgenossen, das Schicksal seiner Frau Charlotte – sie verfiel dem Wahnsinn – Mitgefühl. In Frankreich waren vor allem die Gegner der Großmachtpolitik des dritten Napoleon aufgebracht. Edouard Manet griff das sensationelle Thema vermutlich unmittelbar nach Eintreffen der Nachricht auf. Bis 1869 entstanden fünf Fassungen: drei großformatige Gemälde, eine kleine Ölskizze und eine Lithographie.

Alle gemalten Fassungen befinden sich heute…

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von Sigrid Feeser

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