Gespräche mit Künstlern · von Sven Drühl · S. 284
Gespräche mit Künstlern , 2002

STEFAN WISSEL

EIN KOLATERALES GLÜCK

EIN GESPRÄCH MIT SVEN DRÜHL

Der in Düsseldorf lebende Künstler Stefan Wissels betreibt ein hintergründiges Spiel mit Inhalten, Farben und Formen, mit dem Gegensatz von funktionalem und rein ästhetischem Objekt. Er öffnet einen poetischen Raum voller Humor und emotional besetzter Bilder, überall schwirren Deutungen, Anspielungen und Querverbindungen umher. Außerdem spielen reale Räume und Raumwirkungen eine große Rolle im Werk des Künstlers.

Formsprachlich teilweise dem Minimalismus huldigend, ihn gleichsam in die Gegenwart transformierend, schafft Wissel extrem reduzierte, präzise und akkurat gearbeitete Kunstwerke, die sich u.a. durch einen versierten Detailblick und Spaß am Abstrakt-Analytischen auszeichnen.

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Sven Drühl: In Texten zu deinen Werken findet man immer wieder Begriffe wie Minimalismus, Schnittstellen, Dazwischen-Sein, – kannst du deinen künstlerischen Ansatz in einigen wenigen Sätzen erklären?

Stefan Wissel: Gemein! Die Gretchenfrage also gleich zu Anfang. Solche Annäherungen versuchen ja nur, eine Überschrift für die unterschiedlichen Facetten meiner Arbeit zu formulieren. Es handelt sich dabei um Eigenschaften, aber nicht um Themen, die ich stringent fokussiere. Was mich interessiert, ist die Rekonstruktion emotionaler Fragmente, aber nicht unter inhaltlich konkreten oder autobiographischen Gesichtspunkten, sondern in ihrer Qualität als abstrakte Konsistenz des Empfindens. Ich thematisiere sozusagen die Frage „Wie konstituiert sich das Gefühl eines Gefühls?“ Ambivalente Strukturen scheinen dafür besonders geeignet zu sein.

Ich habe einmal über deine Arbeiten geschrieben, es handle sich stets um poetische Bilder, unabhängig davon, ob du malst, Skulpturen oder Installationen schaffst. Siehst du das auch so?

Poesie ist nur die Konsequenz einer bestimmten Mentalität, in der die Arbeiten entstehen, sie lässt sich nicht kalkulieren.

Ich habe extra den Begriff…

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