Kommentar , 1990

Karlheinz Schmid

EIN KOMMENTAR

Eine kleine Fingerübung im belgischen Temse. Jan Hoet, der zur Zeit umschwärmteste Ausstellungsmacher, leugnet zwar den Kontext zur bevorstehenden „documenta“, doch jeder weiß, daß etliche der 36 beteiligten Künstler beste Karten haben, um auch für Kassel nominiert zu werden: Guillaume Bijl, Georg Herold, Zoe Leonard, Norbert Radermacher, Gilberto Zorio. Schon giert der Handel nach weiterer Information, denn ein überzeugenderes Verkaufsargument als eine „documenta“-Teilnahme läßt sich kaum finden. Schon spitzen Hoets Kollegen die Öhrchen, denn seine Auswahl hat Konsequenzen, wie man ahnt, weil ja auch Kasper König (Münster) und Manfred Schneckenburger (Kassel) anläßlich der „documenta 8“ ihr Personal-Poker spielten: Nimmst du den, bekomme ich jenen Künstler. Macht der was bei dir, muß er nicht auch bei mir; völlig plausibel.

Nach dieser deutsch-deutschen Verhandlung ist nun mit einem belgisch-niederländischen Arrangement zu rechnen. Denn auch 1992, zur „documenta 9“, dient die Kunst zur Städte-Imagepolitur. Rudolf Fuchs, seit Herbst 1987 Leiter des Gemeentemuseums in Den Haag, soll dann den Großraum Stuttgart mit Skulpturen überfluten. Getarnt mit dem Auftrag, „eine neue Standard-Logik zu entwickeln“ (Fuchs), denkt der Ausstellungsmacher zwar durchaus über „bestimmte Regeln und Methoden für die Plazierung von Skulptur im öffentlichen Raum“ nach, doch der Auftraggeber weist den eigentlichen Weg der Unternehmung: Es handelt sich um die Arbeitsgemeinschaft Olympia-Bewerbung. So wird das übliche Gerangel um die Künstler, die ja für derartige Großveranstaltungen immer ein neues Klötzchen liefern sollen, bald beginnen. Immerhin werden im Fuchs-Umfeld schon die ersten Namen geflüstert. Auf der Wunschliste des ehemaligen „documenta“-Machers stehen zum Beispiel: Günther Förg, Per Kirkeby, Harald…

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