Gespräche mit Kunstvermittlern · von Amine Haase · S. 424
Gespräche mit Kunstvermittlern , 2006

Amine Haase

Ein Porträt der Sammlung

Die von Tadao Ando akzentuierte Architektur bedeutet eine Bereicherung

Alison M. Gingeras, Kuratorin der Ausstellung „Where are we going?“ im Palazzo Grassi, antwortet auf Fragen von Amine Haase zu ihrem Umgang mit der Sammlung Pinault.

Sie sind verantwortlich für die erste Präsentation der Sammlung Pinault, Alison Gingeras. Wie würden Sie die Leitlinie dieser Ausstellung beschreiben?

Als ich die Sammlung von François Pinault zum erstenmal sah, haben mich zwei Dinge überrascht: Zum einen mit welcher Strenge er wirklich bedeutende Arbeiten großer Künstler unserer Zeit gesammelt hat, Kunstwerke, die sich von anderen großen Sammlungen – egal ob öffentliche oder private – unterscheiden. Zum anderen schienen sich mir zwei rote Fäden durch seine Sammlung zu ziehen. Der eine Faden ist bestimmt durch Kunst aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, und zwar amerikanischer wie europäischer Herkunft, also Kunst mit minimalistischer Tendenz und Werke zum Beispiel von Fontana, von Manzoni oder der Arte povera. Der andere geht von der Pop Art aus, von Andy Warhol und folgt dieser Schiene in unterschiedlichen Schattierungen bis ins Zeitgenössische – wie die Arbeiten von Jeff Koons, Damien Hirst oder Cindy Sherman. Ich fand es interessant, auf den drei Ebenen des Palazzo Grassi diese Linien nachzuzeichnen und zu zeigen, wie genau durchdacht die Sammlung Pinault ist.

Hatten Sie Probleme mit der Architektur des Palazzo, die von Tadao Ando für die Sammlung verändert worden ist?

Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich finde dass Andos Minimalismus die ursprüngliche Architektur des 18. Jahrhunderts in ein gutes Licht setzt, die Kassettendecken, den Marmorfußboden –…

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