Ausstellungen: Duisburg , 1989

Claudia Posca

Eine Flaschenpost auf Reisen

Wilhelm-Lehmbruck-Museum, 22.1.-27.3.1989

Was tun die Dinge, wenn wir nicht dabei sind? Wir kommen wieder, und sie haben sich nicht verändert. Aber wissen wir, was sie inzwischen gemacht haben? Auf diese spannende Frage Ernst Blochs scheinen die Werke Claes Oldenburgs (geboren 1929 in Stockholm) in erstaunlicher Weise und als Möglichkeit zu antworten: Die Dinge sind in der Zwischenzeit gewachsen und haben monumentale Größenverhältnisse angenommen. So groß, wie sie jetzt sind, irritieren sie den Betrachter auf seiner Suche nach Faktizität. In einigen Fällen verweigern sie sich einer Identifizierung, und erst auf den zweiten, intensivierten Blick tauchen sie in bestimmter Gestalt auf, so daß eine Charakterisierung als Apfelkitsche, Dreifachstecker oder Klavier möglich wird – dann nämlich, wenn Details wiedererkannt werden, oder wenn man das Softening, das `Weichmachen` seiner Plastik als Eingriff in verhärtete Denkstrategien verstehen lernt. Seine Großobjekte zeigen, daß die Dinge durchaus anders sind, als es das Wissen zuzugeben bereit ist. Die Gegenstände scheinen verzaubert, und nur so hat ihre Seltsamkeit einen irritierenden Stachel für uns.

Eine der bekannten Großplastiken , die „Große Kelle“ von 1971/72, befindet sich in den Außenanlagen des Rijksmuseum Kröller-Müller in Otterloo, weitere in Düsseldorf, Freiburg/Br., Münster, Kassel, Krefeld und Weil am Rhein.

Das Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum zeigt nun eine Ausstellung seiner Werke der letzten 20 Jahre unter dem vieldeutigen Titel „A Bottle of Notes and some Voyages – Eine Flaschenpost auf Reisen“. Diese Ausstellung macht allein in Duisburg Station. Längst überfällig, holt diese Ausstellung nach, was eigentlich im Zusammenhang mit der Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises 1981 an Claes…

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