Titel: Internationales Künstler Gremium · von Timm Ulrichs · S. 121
Titel: Internationales Künstler Gremium , 1978

Timm Ulrichs

Eine Rose mit Namen Gertrude Stein.

Wer zählte nicht gern zu den Unsterblichen, wer sähe nicht gern sich verewigt, überdauern von Ewigkeit zu Ewigkeit? Noch immer nämlich gilt: „Ewig währt am längsten“ (Kurt Schwitters).1 Wie aber, durch welche Kunstmittel, kann ein Name im Gedächtnis der Mit- und Nachwelt bleiben, sich immer und immer wieder in Erinnerung bringen? Personenkult und Heldenverehrung alten Typs – sich repräsentierend in „repräsentativen“, ehernen Standbildern und Denkmälern – haben ausgedient; noch die material-festesten Monumente sind vom Sockel zu stürzen, einzuschmelzen. Dauerhafter, bleibender scheinen dagegen paradoxerweise gerade jene auf den ersten Blick unscheinbaren immateriellen Kunstgriffe, einen Namen unter Denkmalschutz zu stellen: Wer sich einen Namen gemacht hat und ihn zu erhalten wünscht (denn deshalb ja bringt man seinen Namen in Umlauf), dem empfiehlt sich, seinen Ideen und Gedankengebäuden unmittelbar den eigenen Namen zu verleihen (Christentum, Marxismus, Darwinismus usw.), oder Findungen, Erfindungen und Produkte untrennbar mit dem Autoren-, Erfinder- oder Produzenten-Namen zu etikettieren (Amerika, Newtonsche Ringe, Salmonellen, Daguerrotypie, Litfaßsäule, Kintopp, Draisine, Diesel-Motor, Daimler-Benz, Zeppelin usf.) – auf so vermeintlich uneitle Arten und Weisen also in den allgemeinen Wortschatz und Sprachgebrauch einzugehen, dort Platz zu greifen und zu wuchern. Man kann gar sprichwörtlich werden wie Herr Büchmann persönlich, der als „der Büchmann“ selbst zum „geflügelten Wort“ geworden ist. Gott (ein Vorname? ein Nachname? – „ein Begriff“?) überdauert auch weniger durch die Stein gewordenen, versteinerten Ideen seiner die Architektur als Einschüchterungsversuch nutzenden Gottes-Häuser (die er beim besten Willen nicht alle bewohnen könnte), sondern eher dadurch, daß er „verinnerlicht“ worden ist…

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