Titel: Neue Abstraktion · von Michael Krajewski · S. 154
Titel: Neue Abstraktion , 2010

Elizabeth Cooper

Wenn man das erste Mal den springlebendigen Gemälden von Elizabeth Cooper (*1972, lebt in New York) gegenübertritt, scheint es so einfach, sie zu erfassen, die Details zu identifizieren und die Machart nachzuvollziehen. Auf einen jeweils monochromen Grund sind amorph bewegte Gebilde gesetzt, deren intensive Farb- und Formgebung spontan eine emotionale Reaktion wecken. Einem Auge, das darin geübt ist, Ungegenständliches zu betrachten, erscheint das Bildvokabular zuerst nicht komplex, die Konturen scharf und beschreibbar, Bildzentrum und Umgrenzung getrennt, der Raum in Vorder- und Hintergrund gestaffelt. Das stimmt alles – und doch wieder nicht. Zieht einen zuerst das Grafische der Kompositionen an, tritt auf den zweiten Blick das Malerische hervor; erscheinen die Farbkomplexe anfänglich dynamisch und fließend, wirken sie sodann wie im Schockfrost erstarrt; will sich der Blick spontan Bildkomplexe in verschiedenen Schichten imaginieren, muss er bald die Räumlichkeit aufgeben und sich zweidimensional orientieren. Tatsächlich verweigert sich Coopers vermeintliche Einfachheit der schnellen Lektüre.

Offensichtlich ist, dass Elizabeth Cooper sich nicht in den Dienst der Repräsentation oder Abbildung stellt. Ihre Bilder sind Abstraktion. Sie verwendet keine benennbaren Bildgegenstände und bezieht sich nicht direkt auf die Realität. Doch ziehen Texte für die Beschreibung ihrer Gemälde immer wieder Metaphern heran, die der Natursphäre entstammen, vergleichen ihre Formlosigkeit etwa mit Wolkenumrissen, Wasserströmen, Felsen, Eruptionen oder erstarrter Lava.

Ihre Palette – artifiziell, bunt, poppig bis zuweilen grell – entstammt jedenfalls nicht der Natursphäre, sondern ist kulturell verankert und suggeriert Emotionales – ja Kindheit. In ihrer exklusiven Buntheit lassen sie an die Zeichentrickserie Peanuts denken, eine Bonbon- und Eiscreme-Welt in…

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von Michael Krajewski

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