Ausstellungen: München · S. 299
Ausstellungen: München , 1986

Hanne Weskott

Elvira Bach

Galerie Pfefferte, München Okt./Nov. 1985

»Trägt das Eis oder bricht es?«
so lautet der Titel eines Bildes von Elvira Bach, das mich an den »gläsernen Tag« von Heckel denken läßt. Dort steht das Mädchen wie eingefroren in der eisigglasigen Landschaft; bei Elvira hingegen zieht die Frau auf einer recht massiven Scholle ihre Kreise. Laut in der Farbigkeit, extrem in der Bewegung, dominiert sie eindeutig den Raum. In der »Eisblume« ist das ähnlich, nur daß dort das Eis als Zackenstern sie wie einen Abwehrpanzer umgibt. Damit erhält die Frage nach der Tragfähigkeit des Eises noch eine andere Dimension: Wird er halten der Schutz, den sie sich als Image aufgebaut hat? Die Frage gilt aber auch der Malerei, die in den neuen Bildern noch fahriger, lakonischer und dünner im Farbauftrag ist, die aber gleichzeitig an expressiver Gestik gewonnen hat. Auch rein inhaltlich hat Elvira einen Rückzug angetreten. Alle erzählerischen Beigaben aus der Südsee sind verschwunden. Es gibt nur noch sie mit ein paar unentbehrlichen Requisiten wie Tisch oder Glas und hier vor allem Obst. Wie ein Schrei durchdringt die überlaute Fröhlichkeit den Undefinierten Raum. Ganz allein ist sie, nackt, geschminkt und gestöckelt. Nur ihre immer größer werdenden Hände scheinen greifend zu suchen.

Das schönste Bild in der Ausstellung, das in der Malerei ungewöhnlich dicht und differenziert ist, heißt »Zweifel«. Nicht pflanzenhaft eingebunden in die Natur wie das Mädchen bei Heckel steht Elvira im Strudel, sondern versucht, kraftvoll den Stöckel einzuhacken. Sie hat sich voll Kraft gepumpt, sich Ecken und Kanten zugelegt und…

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