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Ausstellungen: Paris/Hamburg/München · von Rainer Unruh · S. 357 - 357
Ausstellungen: Paris/Hamburg/München , 1998

Rainer Unruh
Emil Schumacher

Retrospektive
Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris, 13.11.1997 – 4.1.1998

Hamburger Kunsthalle, 6.2. – 19.4.1998
Materialbilder; Chapel Art Center, Hamburg, 6.2. – 26.3.1998

Pechschwarz zieht sich der glänzende Bogen über die Breite der Leinwand. Kleine, gekrümmte Holzteile sind als plastische Elemente in die Farbe eingebettet wie Würmer, die von einem Lavastrom überrascht wurden. Es ist die Ruhe nach dem Sturm, das Bild nach dem Beben, wenn der Blick auf Risse und Schründe, klaffende Krater und zu Wülsten aufgeworfene Materie fällt. Unwillkürlich verfällt man in den Jargon der Geologen, um das elementare Geschehen auf Werken wie „Palau II“ (1990) zu beschreiben. Emil Schumacher selbst nennt es „eine Dialektik von Zerstören und Wiederaufbauen im Bild“.

Die Lust an der Destruktion im Dienst der Schöpfung ist der Motor, der bis heute das Schaffen des 85jährigen vorantreibt. 54 Gemälde aus dem Zeitraum von 1936 bis 1996 erlauben es, die Entwicklung des Malers von frühen figurativen Stilleben bis zu den expressiv-abstrakten Großformaten unserer Tage zu verfolgen. In Hamburg, nach Paris zweite Station der Retrospektive, wurde für die Schumacher-Ausstellung erstmals der dritte Stock der „Galerie der Gegenwart“ geräumt. So drängt sich fast von selbst die Frage auf, inwieweit der Künstler noch Zeitgenosse unserer reflexiven „Zweiten Moderne“ (Heinrich Klotz) ist oder doch schon eine historische Figur aus den heroischen Jahren der informellen Malerei. Heute käme wohl kaum jemand auf die Idee, in den Flecken (taches) auf der Leinwand „Spuren von mythischer Wertigkeit“ zu sehen, wie es 1945 der Dichter Jean Sylveire im Katalog zur ersten Wols-Ausstellung…




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