Magazin · von Heinz Schütz · S. 506
Magazin , 1999

Ende der Malerei und Malerei nach dem Ende der Malerei

Bereits im ersten Satz seines Buches stellt Johannes Meinhardt die für seine Untersuchung fundamentale Behauptung auf: „Die Moderne begann in der Malerei mit dem Ende der Malerei“. Die Feststellung trägt Züge eines Paradoxons: Wie kann etwas, das endet, weitergehen? Das Leben nach dem Tod fällt gewöhnlich in den Zuständigkeitsbereich der Theologie. Mit der Identität vom Anfang und Ende befassen sich neben Theologen, allerdings auch theologisch inspirierte Geschichtsphilosophen. Wie lässt sich das Paradoxon im kunsthistorischen Zusammenhang auflösen? Welche Bedeutung kommt ihm in der Kunst des 20. Jahrhunderts zu, wo der Anspruch auf die „letzten Bilder“ von Malewitsch bis Ad Reinhardt immer wieder erhoben und trotzdem weiter gemalt wird? Wie situiert Johannes Meinhardt, ein – wie sich zeigen wird – standhaft am „Projekt der Moderne“ festhaltender Autor, seinen Begriff vom „Ende“ vor der Folie des postmodernen Geraunes vom Ende, ein Geraune, dessen ideologischen Implikationen gerade deswegen fatal sind, weil mit dem idealiter verkündeten „Ende der Ideologien“ deren Existenz realiter verschleiert wird?

Im Sinne der engen Verbindung von Aufklärung und Moderne sieht Meinhardt in der Malerei der Moderne das aufklärerische Programm der kritischen Selbstreflexion real werden. Die Malerei der Moderne ist für ihn „analytische Arbeit der Malerei an sich selbst“: Bereits im Impressionismus setzt die Selbstreflexion der Malerei ein. Was zuvor ein Mittel der Abbildung war, wird nun zunehmend thematisch. Die Aufmerksamkeit richtet sich vom Bild auf den Bildträger. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der fotografischen Bildproduktion verliert die Malerei ihre bis dahin dominierende Aufgabe,…

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