Ausstellungen: Luxemburg , 2015

Ingo Arend

Eppur si muove

»Kunst und Technik, ein gemeinsamer Raum«

Mudam, Luxemburg, 9.7.2015 – 17.1.2016

Eppur So Muove – Und sie bewegt sich doch“. Glaubt man der Legende, dann hat Galileo Galilei diesen Satz beim Verlassen des römischen Inquisitionsgerichts gemurmelt, nachdem er seiner Lehre von der Erdbewegung öffentlich abschwören musste. Die Formel ist zur Metapher für den Wahrheitsanspruch der objektiven Wissenschaften geronnen. Aber welche Weltbilder zu seiner Zeit ins Wanken kamen, meint man plötzlich wieder hautnah zu spüren, wenn man das Luxemburger Musée d’Art Moderne Grand Duc Jean (Mudam) betritt. Mitte in der kathedralenartig empor strebenden Eingangshalle des massiven, 2066 auf dem Luxemburger Kirchberg eröffneten Baus von Stararchitekt Ieoh Ming Pei schwingt unaufhörlich eine silberne Kugel über einem Hügel aufgeschütteter Tonerde, auf dem eine mit einem Kiesel polierte Tonscheibe sitzt. So ungefähr sah 1851 die Installation aus, mit der der französische Physiker Léon Foucault zum ersten Mal laientauglich die Erdrotation erklärte- 218 Jahre nach Galilei.

Bis 2010 hing das Original im Pariser Musée des Arts et Metiers (CNAM). Dann barst es unwiederbringlich. Die Architekten Sophie Krier und Frank Débouté haben es für die mit dem Galileo-Spruch betitelte Ausstellung nachgebaut. Technik in Kunst verwandeln wollten Marie-Noëlle Farcy, Christophe Gallois, Enrico Lunghi und Clément Minighetti aber nicht, wenn sie 70 von den hunderttausenden Objekten des 1794 gegründeten Haus mit Arbeiten von 130 internationalen Gegenwartskünstlern konfrontieren. Auch wenn die meisten Objekte, mit denen die Protagonisten der Französische Revolution die Menschen für den technischen Fortschritt begeistern wollte, heute nur noch funktionslos schön sind. Die symmetrisch angeordneten Werkzeuge in…

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