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Titel: Zwischen Kunst und Design · S. 103 - 111
Titel: Zwischen Kunst und Design , 1983

Es gibt keinen Kitsch – es gibt nur Design

Notizen zur Ausstellung
„Das geniale Design der 80er Jahre“
von Gert Selle
1. Motiv und Hintergrund

Die Ausstellung „Das geniale Design der 80er Jahre – Objekte der Sehnsucht und des täglichen Gebrauchs“ hat Widerspruch herausgefordert. Sie hielt sich nicht an die übliche Bewertung von Design. Sie galt dem Design für alle. Sie zeigte alltäglich-schöne Gegenstände ohne Verdammung ihres Konsums und ohne Denunziation oder Belehrung ihrer Gebraucher. Sie hob hervor, was Design heute für die Bevölkerungsmehrheit in der Bundesrepublik und Westberlin, aber auch in anderen Industrieländern heißt: Entwurf eines Traums von Luxus, Schönheit, Zugehörigkeit, Geborgenheit, Abenteuer, Individualität und kultureller Identität.

Damit blieb die Ausstellung absichtlich so wider-spruchsoffen wie die Tatsache, auf die sie verwies. Doch wenn man diesen Traum nur kritisiert oder ignoriert, was außer Gedankenlosigkeit und Entfremdung noch in ihm steckt, geht man nicht nur achtlos und arrogant über die vielen hinweg, die ihn brauchen. Man vergißt, daß man selber in diese Produktkultur verwickelt ist. Man entdeckt nicht, daß sie eine Geschichte hat und Kontinuität. Diese real existierende Produktkultur des Massenalltags gründet eben nicht bloß auf Betrug, sie ist nicht eine Als-ob-Kultur, sie ist gelebte Kultur, und wer sie ‚kitschig‘ nennt, verabsolutiert einen Standpunkt von Bildungstradition und normativem Interesse, der sich selbst erst einmal der Ideologiekritik aussetzen müßte.

Die Ausstellung war eine Provokation, weil sie die Regel verletzte, die besagt, daß die Regeln des Umgangs mit Dingen, die Art ihrer Schönheit und deren Verständnis von ‚fortschrittlichen‘ Designern vorzugeben seien. Es ist professionelle Tradition, daß man…


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