Titel: res publica 2.0 · von Werner Fenz · S. 144
Titel: res publica 2.0 , 2011

Werner Fenz

„Es ist klug, bei urbanen Interventionen Schwerpunkte zu setzen“

Zwingende, aber nicht zwanghafte Begegnungen mit Kunst

Welche Bedeutung hat Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) für eine demokratische Öffentlichkeit?

Die zunächst entscheidende Bedeutung ist, Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) zuzulassen. Das klingt banal, ist es aber nicht. In jahrzehntelangen Diskussionen wird immer wieder die Frage gestellt: Wozu benötigen wir KiöR? Ganz einfach: Es ist nötig, wenn wir das Gegenüber, die alltägliche Öffentlichkeit, richtig verstehen wollen: das Zweckfreie, das Fremde, meist sogar das Störende. Mit der Entscheidung, neben den Möbeln und den Werbebotschaften aller Art, wie sie auch in den kleinsten Siedlungen dominieren, der Kunst einen öffentlichen Platz zu geben, kann bereits ein demokratisches Verhalten legitimiert werden. Die dadurch ermöglichte zwingende Begegnung mit künstlerischen Zeichen – noch ist nicht von einer Auseinandersetzung die Rede – ist in der Lage, das standardisierte Erscheinungsbild zu entlasten.

Brisante Interventionen sind rasch verschwunden

Benötigt die kapitalistische Gesellschaft die KiöR als „kritisches Feigenblatt“ oder wird sie als Repräsentationsinstrument missbraucht?

In den kapitalistischen Gesellschaften nimmt die Privatisierung des öffentlichen Raums ständig zu. Es stellt sich die Frage, inwieweit nicht auch Kunst im öffentlichen Raum diesen Absichten dient, wenn wir an die „Landmarks“ großer Firmen denken. Hier, aber zu gleichen Teilen auch in der politischen Öffentlichkeit, ist das Repräsentationsbedürfnis stark ausgeprägt. Es gibt zahlreiche Beispiele, bei denen die Auftraggeber sich für das monumentale Kunstwerk entscheiden, meist in enger Beziehung zur eben erst fertig gestellten Architektur, und dafür subtile Eingriffe in bestehende Strukturen ablehnen (Abb. 1 und 2). Wenn brisante Interventionen, die sich etwa mit…

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