Kunstforum-Gespräche , 1995

»Es war damals erlaubt, in solchen utopischen Dimensionen zu denken«

Noemi Smolik sprach mit Werner Ruhnau über dessen Zusammenarbeit mit Yves Klein

N. S.: Was hat Sie dazu bewogen, als Architekt mit Künstlern zusammenzuarbeiten?

W. R.: Man kann als Architekt sowieso nicht alles alleine machen. Man bedient sich technischer Berater wie der Statiker, Elektriker, Akustiker und so weiter, aber nie der Künstler, so wie es im Mittelalter und in der ganzen Baugeschichte immer der Fall war. Da gab es nicht den Unterschied zwischen Künstlern, Handwerkern und Architekten – alles das war eine „Bauhütte“. Zwar machte der Architekt die Pläne, er hat aber nie gezeichnet, wie die Putti auszusehen haben. Das hat der Bildhauer gemacht. Daher hatten sie auch alle nicht diese überzogenen Urheberrechtsansprüche. Es war klar, daß es ein gemeinsames Werk war. Wieso das in der Architektur heute nicht so ist, habe ich mich gefragt, und da dachte ich, es muß doch wieder möglich sein.

Warum zerfiel dann – Ihrer Meinung nach – dieses Konzept der Bauhütte? Warum trennten sich da plötzlich die Wege der Architekten, der Handwerker und der Künstler?

Es ist ganz einfach die Schuld des Marktes. Denn sobald die beweglichen Dinge einen Handelswert bekommen, werden sie gehandelt. Bauten werden zwar auch gehandelt, aber sie haben nicht so einen Wert wie zum Beispiel Bilder, die man in einen Tresor einschließen kann. So war der Handelswert der Werke der bildenden Künstler einer der wichtigsten Gründe, warum sie so sehr auf die Urheberrechtsfrage Wert legten.

Hatte bei diesem Bruch der Architekten mit den Künstlern nicht…

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