Titel: Essen und Trinken · von Jürgen Raap · S. 118
Titel: Essen und Trinken , 2002

JÜRGEN RAAP

Das Auge isst mit

BILDER UND SYMBOLE

Die üppigen Körper von Büffeln, Nashörnern, Mammuts wurden dargestellt, weil man sie essen wollte“.1 In den Ursprüngen der Kunst haben Jagdzauber und andere magische Beschwörungsgesten eine Rolle gespielt. Die Sorge um die Sicherung der Nahrung hatte auch in späteren Epochen der Kunstgeschichte eine womöglich viel größere psychische Antriebskraft als die optische Freude am Glanz der Fischschuppen und der funkelnden Trinkkelche. So sind in der älteren Kunst Erntebilder, Marktszenen und Früchtestillleben Visualisierungen von Sehnsüchten bzw. kulinarischen Verheißungen, weil es das Dargestellte für die einfachen Bürger oft nicht oder höchstens zu besonderen Gelegenheiten gab. In der zeitgenössischen Kunst und vor dem Hintergrund der Lebenszusammenhänge einer postmodernen Überflussgesellschaft haben Kotelett- oder Bananenmotive jedoch andere Konnotationen.

Anmerkung:
1.) Kurt Fassmann, Kindlers Malerei Lexikon, München 1976, Bd. 14, S. 217. Zitiert nach: Ursula Peters, „Genuss und Ekel – Stichworte zur Ikonografie der Bilder vom Essen und Trinken“, in: Kat. „Vom Essen und Trinken“, Hrsg. Ursula Peters, Georg F. Schwarzbauer, Kunst- u. Museumsverein Wuppertal 1987, S. 29.

1999 hatte der TV-Sender VOX einen Kunstpreis zu verschiedenen Themen ausgelobt. Eines der Themenfelder hieß „Nahrung“. Initiiert hatten den Wettbewerb die Künstler Hannah Hofmann und Sven Lindholm, die in einem Thesenpapier notierten: „Über das Motiv der Nahrung hinaus wird die soziale Einbindung geprüft und das Einzigartige der sinnlichen Esserfahrung sowie die Positionierung von Kunst zu Konsum und Kommerz untersucht…“1

Eine solche Untersuchung leistete vor allem der Beitrag von Gudrun Teich. Mit ihrer Videoinstallation „Reiz der Dinge“ rekurrierte sie auf die Welt der Produktwerbung. Den Ausstellungsraum gestaltete…

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