Magazin , 2000

Fälschung als künstlerische Praxis

Stefan Römer: Fake als Original

Die Literatur zum Thema „Fälschung“ sei reich an kulturpessimistischen Abwehrgesten, schreibt Stefan Römer im Einstieg zu seinem Text. Denkt man an Konrad Kujau, dann mögen solche Abwehrgesten ja auch durchaus ihre Berechtigung haben. Doch ein Bestehen auf Wahrhaftigkeit wirkte höchst lächerlich, als man z.B. Guillaume Bijl vorhielt, der niederländische Ort Middelheim habe zur Römerzeit noch gar nicht existiert, mithin sei Bijls installative Fiktion einer römischen Straße dort völlig unglaubwürdig. Solchen beckmesserischen Exaktheitsfanatikern hält Stefan Römer entgegen: „Diese Art des Fake erhält ihre Berechtigung dadurch, daß es (wie jede gelungene Fälschung) durch ein Originalerlebnis das Betrachterinteresse weckt…“ (S. 24).

Aspekte des Urheberrechts, des Betrugs im strafrechtlichen Sinne oder der moralischen Verwerflichkeit sind ausdrücklich nicht Gegenstand von Stefan Römers Betrachtungen. Stattdessen beschreibt er das „Fake“ als ein „Strategiemodell bestimmter zeitgenössischer Kunstpraktiken“. Dabei hat „Fake“ als modischer kunsttheoretischer Terminus eine etwas andere und weitergehende Bedeutung als das deutsche Pendant „Fälschung“.

Das Moment des Täuschens, des Vorspiegelns und Nachmachens hat in der Kunstgeschichte eine lange Tradition, und es wurde eigentlich erst im 19. Jahrhundert problematisiert, als man die „Authentizität“ eines Werks und damit seine „Aura“ ausschließlich an der „Handgenialität“ des Künstlers festmachte. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und wirft zuweilen Fragen nach museologischer Korrektheit auf, ob es legitim ist, z.B. eine Beuys-Installation postum an einem anderen Ort zu rekonstruieren. Wird da die „Aura“ verfälscht?

Die zeitgenössische Kunst hat derlei Originalitätskult schon länger in Zweifel gezogen: Sigmar Polke und Achim Duchow verwischten bereits in den 70er Jahren gegenseitig ihre…

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