Ausstellungen: Duisburg · S. 240
Ausstellungen: Duisburg , 1988

Volker Adolphs

Felix Nussbaum

Gemälde, Zeichnungen und Dokumente
Wilhelm-Lehmbruck-Museum, 17.4. -19.6.1988

Der Weg führt ins Dunkel. 1933 malt Felix Nussbaum die „Zerstörung“: eine in Wellen zuckende und aufgeworfene Landschaft, in die monumentale Architekturen einzusinken beginnen, antike Säulen zerbersten, ein Campanile stürzt um, daneben schwankt eine Windmühle, dicht schieben sich die Menschen zusammen, vorne klagt, schreit ein Paar. In einer anderen Fassung des Bildes hat sich die Szenerie zur öden, unheimlichen Stille beruhigt, jetzt dokumentieren zerrissene Bilder, zerbrochene Rahmen die Barbarei. Getilgt sind die heiteren Motive vorangegangener Jahre, eine Welt fahler Farben entsteht, die Metaphern der Melancholie, der Angst und Verfolgung versammeln sich, Gesten des Schmerzes, Symbole der Verzweiflung, das Arsenal der Skelette, Särge, Stricke, Galgen; Fenster werden vergittert, Bäume entlaubt zu toten abgehackten Adern, Mauem isolieren und versperren, an Häusern wehen zerfetzte, schwarze Fahnen, in düsteren Stra-

Benfluchten steht einsam der Mensch, eine erstarrte Maske. Immer häufiger wählt Nussbaum nun den Blick auf sich, prüft die eigene Gestalt in allen Formen entlarvender Maskerade und Mimik der Furcht und Bedrohung. Am Ende, 1944, noch nicht 40 Jahre alt, entwirft er eine apokalyptische Landschaft: „Die Gerippe spielen zum Tanz“. Auf den Trümmern der zerstörten abendländischen Kultur musizieren neun mumienhafte, halb verweste Gestalten, Endzeit, Endpunkt in den Formeln des mittelalterlichen Totentanzes, der Tod triumphiert.

Doch könnte man auch so beginnen: Um die Jahreswende 1932/33 zünden Nationalsozialisten das Berliner Atelier des Juden Felix Nussbaum an; ungefähr 150Bilderverbrennen.1933 wird dem Künstler das Stipendium für die Villa Massimo in Rom entzogen. Nach antisemitischen Vorfällen dort reisen Nussbaum und seine spätere Frau…

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